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Märchenhafte Anekdoten

In Burg Wolsthurn in Andrian spukte es früher hin und wieder; Foto Burg Wolfsthurn

Südtirol ist eine Region voller Geschichten. Die 1.600 authentisch geführten Urlaubs-Bauernhöfe der Marke „Roter Hahn“ sind zum Teil Quellen jahrhundertealter, geheimnisumwobener Mythen, darunter erstaunliche Überlieferungen aus Matsch und Mals, aus Andrian und dem Villnösstal. Die Sagen erzählen von bösen Hexen, unerschrockenen Bäuerinnen und augenzwinkernden Riesen – wundersam und schaurig zugleich. Wer fragt, den verzaubert bestimmt auch sein persönlicher Gastgeber mit einer märchenhaften Anekdote.

Lechtlhof in Matsch/Vinschgau: Die Errichtung der Lechtl-Kapelle
Die Bäuerin vom Lechtlhof in Matsch hatte gerade ein Kind bekommen. Doch entgegen der Sitte, kurz nach der Geburt im Haus zu bleiben, scherte sie sich nicht ums Wochenbett. Stattdessen ging sie hinaus, um ihren Mann und die Knechte zum Mittagessen zu rufen. Da raste plötzlich ein wild gewordener Stier von der Nachbarwiese auf die Frau zu. Entsetzt suchte sie Schutz bei einem Thymianstrauch. „Stündest Du nicht am Karwendelstock, dann würd‘ ich Dich schon holen“, schnaubte das Tier wütend – und verschonte sie. Aus Dankbarkeit ließ die Frau ebenda, wo die Pflanze wuchs, ein Kirchlein errichten. Dazu muss man wissen: Der unbändige Bulle war der leibhaftige Teufel. Thymian alias Karwendel aber galt den Einheimischen als Heilkraut und verfügte dem Glauben nach sogar über die Kraft, den Satan fern zu halten. So rettete das Gewächs der jungen Mutter vom Vinschgauer Lechtlhof das Leben.

Die Lechtl-Kapelle wurde zum Dank der Lechtlhof-Bäuerin errichtet, weil sie vom Teufel verschont blieb. Mittlerweile ist der landwirtschaftliche Betrieb in Matsch/Vinschgau Mitglied der Südtiroler Qualitätsmarke „Roter Hahn“. Bildnachweis: Lechtlhof/Ernst Bayer

Haidgerberhof am Ritten/Südtirols Süden: Der kühne Bursche
Gut 50 Meter vom Haidgerberhof am Ritten liegt das sogenannte Hexenbödele. In der Mitte der kleinen Lichtung ragt eine einzelne Lärche empor. Ihre Statur ist sehr speziell, denn eine dichte Wucherung von Ästen und Zweigen erinnert verblüffend an einen Hexenbesen. Kein Wunder, dass sich dort in alten Zeiten angeblich die krummnasigen Gestalten tummelten. Der Legende nach feierten sie nachts mit Luzifer ausgelassene Gelage. Einmal wettete ein forscher Jungspund, dass er sich vor schwarzer Magie kein bisschen fürchte. Also begab er sich zur Geisterstunde ans Hexenbödele, kehrte aber nie mehr zurück. Am nächsten Morgen fanden ihn die Dorfbewohner tot, hineingestampft ins Erdreich. Zur Erinnerung an den mutigen Mann brachten sie ein Kruzifix an dem Nadelbaum an, wo es bis heute hängt. Seither hat der Spuk ein Ende.

Burg Wolfsthurn in Andrian/Meraner Land: Der Spuk von Wolfsthurn
Die kleine, romantische Burg Wolfsthurn oberhalb des Weindorfs Andrian bei Terlan hatte früher einen seltsamen Bewohner. In dem trutzigen, von Wald sowie Wein- und Obstgärten umgebenen Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert trieb der Sage nach ein Gespenst sein Unwesen. Es neckte die Leute, warf Möbel um und verursachte nachts ein angsteinflößendes Gepolter. Mitunter zeigte sich das Phantom sogar als brennendes Schwein im Schlosshof. Das ging so lange, bis die Besitzer das Anwesen schließlich segnen und für die Seelen der Verstorbenen eine Messe lesen ließen. Daraufhin zog sich das Ungetüm zurück und ward nie mehr gehört noch gesehen – zum Glück: Denn seit 1997 ist der „Roter Hahn“-Hof im Meraner Land modern für Feriengäste ausgebaut und zu mieten. 

Oberkantiolhof: Mehrere Sagen des Villnösser Tales Sagen und Mythen, die den alten Hofnamen “Kantiol” erwähnen, weisen auf die Signifikanz des Ortes in der Geschichte des Villnösstales hin. Foto: Oberkantiolhof

Oberkantiolhof in Villnöss/Eisacktal: Die kegelnden Hünen
Um den rund 800 Jahre alten Oberkantiolhof in Villnöss ranken sich mehrere abenteuerliche Erzählungen, zum Beispiel die der „wilden Mander“. Die Riesen lebten unter der Berggruppe Geisler im hintersten Villnösstal. An finsteren und stürmischen Abenden vernahmen die Bauern dort stets laute Geräusche und ein Krachen, das wie fallende Kegel klang. Dem unheimlichen Getöse folgte ein röhrendes Gelächter und ohrenbetäubendes Fluchen.

Eines Tags kamen zwei Söhne des Oberkantiolhofs spät von der Holzarbeit. Bei Einbruch der Dunkelheit beschlossen sie, in einer Almhütte zu übernachten. Kaum hatten sie sich ins Heu gelegt, öffnete sich die Tür und zwei der übergroßen Gesellen traten hinein. Auch sie wollten sich zur Ruhe betten, ohne die Brüder allerdings sonderlich zu beachten. Die aber waren vor Schreck erstarrt und wagten kaum zu atmen. Gerade als es sich die Neuankömmlinge bequem gemacht hatten, erscholl prompt wieder der Lärm des Kegelspiels, allerdings lauter und furchterregender als je zuvor. Erst bei Tagesanbruch trat Ruhe ein. Als sich die Giganten wieder auf ihren Weg machten, drehte sich einer von ihnen um und sagte zu den Geschwistern: „Hättet’s uns g’fragt, hätten wir’s Euch g’sagt.” Doch weil diese zu ängstlich waren, den Mund aufzumachen, bleibt das Geheimnis der kegelnden Riesen für immer verborgen.

About Heiner Sieger

"Nur ned locker loassen" - diese Weisheit des Südtiroler Unikums Luis Trenker ist auch mein Motto, beruflich wie privat. Journalismus habe ich von der Pike auf gelernt, in fast allen Ressorts bei der Badischen Zeitung sowie der Schweizerischen Handelszeitung. Dann folgten die taffen Jahre bei Capital, Focus und Münchner Abendzeitung. Heute steht mein eigenes Büro, Redaktion München, mit Schwerpunkt Corporate Publishing im Vordergrund. Neben Fussball und Eishockey pflege ich ein ausgefallenen Hobby: Über Südtirol könnte ich eigentlich den ganzen Tag schreiben. Aber noch lieber bin ich dort, lerne neue Menschen kennen oder treffe alte Freunde und Bekannte.

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