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Schloss Schenna: Reise durch die Jahrhunderte

Schloss Schenna ist außen und innen weitgehend so erhalten, wie Erzherzog Johann es bewohnt hat. Foto: Schloss Schenna/Franz Graf von Spiegelfeld

Schloss Schenna in der gleichnamigen Gemeinde bei Meran zählt zu Südtirols bedeutendsten Burganlagen. Nachdem um 1350 mit Margarethe Maultasch eine für ihre Zeit viel zu selbstbewusste Gräfin den Bau veranlasste und später die Grafen zu Lichtenstein das Schloss zur ersten Blüte führten, verfiel dessen Bedeutung zusehends. Erst ab 1845 hauchte Erzherzog Johann von Österreich, liberaler Habsburger und Andreas-Hofer-Freund, der Burg wieder neues Leben ein. Seine letzte Ruhestätte fand er übrigens 1869 im extra für ihn errichteten, neugotischen Mausoleum am Schenner Kirchhügel.

Heute führt Familienmitglied Franz Graf von Spiegelfeld Besucher auf kenntnisreiche und humorvolle Weise durchs Schloss. Ehefrau Johanna Gräfin von Meran widmet sich in der Freizeit ihrer großen Passion, dem Strickdesign. Die kleine, feine Accessoire-Kollektion JohANNA (Instagram: johannameran oder johanna@schloss-schenna.com) gibt‘s auf Anfrage und individuell. Schloss Schenna können Interessierte nur im Rahmen einer Führung (ab 5 Jahren sinnvoll) zu besichtigen. Öffnungszeiten jeweils von Mitte April bis Anfang Nov., Eintritt 9 €/Erw., Schüler/Kinder bis 14 Jahre 3 €.

Modernes Leben in alten Mauern
Die Nutzung eines Schlosses als Wohnsitz und öffentlich zugänglicher Ort ist eine der Herausforderungen, denen sich moderne Burgherren stellen wollen. Graf Spiegelfeld führt Besucher mit Vergnügen und Leidenschaft durch die neun original eingerichteten Säle, welche seit Erzherzog Johann nahezu unverändert geblieben sind. „Die Führungen sind die einzige Einnahmequelle zur Erhaltung des Schlosses. Wer daran teilnimmt, leistet einen wertvollen Beitrag“, betont der Graf.

Burgherrin und Strickdesignerin Gräfin Johanna von Meran im Innenhof von Schloss Schenna. Foto: Marketinggesellschaft Meran/Frieder Blickle

Die Grenzen verlaufen durchaus fließend: So kann es schon mal passieren, dass man Gräfin Johanna – Schwester des Besitzers Franz Graf von Meran, Verwalterin des Familienbesitzes und Juristin – im Innenhof des Schlosses begegnet. „Ihre Strick-Kreationen“, erzählt der Graf nicht ohne Stolz, „wärmen durch ihr individuelles Design nicht nur Körper und Gemüt, sondern sind vor allem eine farbliche Augenweide“. Aus hochwertigen Materialien wie Cashmere und Alpakawolle fertigt sie Mützen, Schals, Handschuhe und vieles mehr. Auch das nahegelegene Wirtshaus „Thurnerhof“ mit romantischem Sitzgarten unter Kastanienbäumen gehört zur Anlage. Die Produkte für die genussreichen Gerichte – und das ist der gräflichen Familie und Pächter Bernhard Tammerle sehr wichtig – stammen überwiegend von Biohöfen aus der unmittelbaren Umgebung.

Eine unkonventionelle Frau in einer konventionellen Zeit
Margarethe Gräfin von Tirol, die um 1350 die Erlaubnis zum Bau von Schloss Schenna erteilte, war eine der spannendsten Frauenfiguren des europäischen Spätmittelalters. Weil sie ihren ersten Mann, Johann Heinrich von Luxemburg, verstieß und anschließend den Sohn von Ludwig dem Bayern heiratete, galt Margarethe ihren Gegnern als das personifizierte Böse. So wurden auch das Zerrbild der „hässlichen Herzogin“ und ihr Beiname „Maultasch“ konstruiert. Erst die aktuelle Forschung zeigt, dass Margarethe keineswegs unattraktiv, sondern vielmehr eine für ihre Zeit ungewöhnlich selbstbestimmte und politisch aktive Frau war.

Franz Graf von Spiegelfeld ist ein Aristokrat ohne Starallüren und führt Besucher persönlich durch Schloss Schenna. Foto: Marketinggesellschaft Meran/Frieder Blickle

Liberalismus statt Standesdünkel
Nach dem Ausbau der Eisackschlucht um 1483 verlor die Route über den Jaufenpass – und damit auch Schenna – zunehmend an Bedeutung. Erst ab den 1830er-Jahren leistete Erzherzog Johann durch die Förderung der Landwirtschaft sowie wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Impulse einen wertvollen Beitrag zum nachhaltigen Aufschwung in Tirol. Eine markante Zäsur in seiner Vita stellt die Mesalliance mit der bürgerlichen Anna Plochl dar, weshalb man Johann von der Thronfolge ausschloss. Seine Nachkommen wurden 1845 als Grafen von Meran in den erblichen Adelsstand erhoben. Da Johann Zeit seines Lebens ein liberaler Freigeist und Sympathisant der Tiroler Aufstandbewegung unter Andreas Hofer war, findet sich heute auf Schloss Schenna die größte private Andreas-Hofer-Sammlung. So schließt sich der (Familien-)Kreis: Die Ur-Ur-Urenkelin des Erzherzogs bewahrt gemeinsam mit ihrem Ehemann das historische Erbe der Burg.

About Heiner Sieger

"Nur ned locker loassen" - diese Weisheit des Südtiroler Unikums Luis Trenker ist auch mein Motto, beruflich wie privat. Journalismus habe ich von der Pike auf gelernt, in fast allen Ressorts bei der Badischen Zeitung sowie der Schweizerischen Handelszeitung. Dann folgten die taffen Jahre bei Capital, Focus und Münchner Abendzeitung. Heute steht mein eigenes Büro, Redaktion München, mit Schwerpunkt Corporate Publishing im Vordergrund. Neben Fussball und Eishockey pflege ich ein ausgefallenen Hobby: Über Südtirol könnte ich eigentlich den ganzen Tag schreiben. Aber noch lieber bin ich dort, lerne neue Menschen kennen oder treffe alte Freunde und Bekannte.

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