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Jazzgenuss ohne Baumgrenzen

Alpen-Jazz mit besonderen Zuhörern, Foto: SJF

Es ist wieder so weit: Zum 35. Mal startet in Bozen eines der originellsten Jazzfestivals in Europa. Ganz Südtirol ist mit dabei. Eine einzigartige Atmosphäre schaffen die außergewöhnlichen Locations: Jazz auf Almhütten und in Weinbergen, Jazz in Berggasthöfen und in Firmengebäuden, in Museen und Parks und im Planetarium. Die stolze Programmbilanz: An den zehn Tagen vom 30. Juni bis 9. Juli 2017 finden 70 Konzerte an 60 Orten mit 130 Musikern statt.

Wieder wurde ein Länderschwerpunkt ausgewählt: Nach Frankreich, Großbritannien und Österreich/Italien geht in diesem Jahr die Jazzreise in die Benelux-Länder. Jazzpräsident Klaus Widmann, im Hauptberuf Arzt in Bozen, leitet mit seinem Team seit 14 Jahren engagiert das Festival. Bei der Programmplanung hatte er festgestellt: „Gerade in der Jazzszene des Benelux gibt es einige sehr interessante und innovative Musiker und Projekte.“ Die haben sie nun nach Südtirol eingeladen.

Als „artist in residence“ konnte der Niederländer Jungstar Reinier Baas gewonnen werden. Das Magazin „Jazzism“ bezeichnet den Gitarristen und Komponisten als „ungekrönten König des zeitgenössischen Jazz“. Er wird mehrfach und in unterschiedlichen Formationen auftreten. Am Eröffnungsabend führt er die von ihm komponierte surrealistische Jazzoper „Reinier Baas Vs. Princess Discombobulatrix“ auf. Mit auskomponierten und improvisierten Elementen erzählt Baas eine tragisch endende Eifersuchtsstory, in der er selbst im Magierkostüm einen Zauberer verkörpert. Ein exklusives und an den Standort Südtirol angepasstes Musikereignis!

Jazz vor den Erdpyramiden auf dem Ritten; Foto: SJF

Während die Jazzoper eher konventionell im Veranstaltungszentrum MEC in Bozen stattfindet, wimmelt es in den nächsten Tagen an originellen Locations in ganz Südtirol. Jungen österreichischen Jazz gibt es am Wolfsgrubener See auf dem Ritten, dem bekannten Hochplateau über Bozen. Auf dem Würzjoch jazzen auf 2000 Metern Höhe – vor einer der urigsten Hütten der Dolomiten – der Munt de Fornella, der von der Kritik gefeierte niederländische Saxofonist Ben van Gelder und Reinier Baas.

Hoch hinaus will auch das Luxemburger Trio Reis / Demuth / Wiltgen. Oberhalb der Baumgrenze spielen sie auf einer Terrasse mit atemberaubendem Rundblick: auf der Maurerberghütte (St. Martin in Thurn) in 2156 Metern in der Ferienregion Kronplatz. Dem zeitgenössischen Jazz verpflichtet kreieren die drei ihren melodischen Sound als gleichberechtigte Solisten.

Jazz hallt durch die Grödner Dolomiten bei der Comici-Hütte; Foto: SJF

Regen Zuspruch wird die Jazz & Wine Tour finden: eine gemütliche Wanderung vom Kloster Neustift aus durchs Eisacktal mit seinen exzellenten Weißweinen: dem eleganten Silvaner, dem blumig-frischen Müller-Thurgau, dem aromatischen Gewürztraminer. Die Wanderung führt, unterbrochen von Kurzkonzerten eines Jazz Quartetts, durch die Weinberge zu den Weingütern Pacherhof und Köfererhof und zurück in die Stiftskellerei Neustift.

Ein originelles Ambiente bietet der teilweise mit Schilf umrahmte Fischteich Brugg bei Schlanders, direkt am Vinschger Radweg. Hier wird Francesco Diodati in einem Sextett Musiker unterschiedlichster Stilrichtungen versammeln. Neben dem jungen französischen Drummer Guilhem Flouzat sind u.a. mit von der Partie: der hoch virtuos spielende Salzburger Jazzpianist Elias Stemeseder und der mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnete niederländische Klarinettist Joris Roelofs. Eine interessante Truppe, die in Südtirol erstmals zusammenspielt.

Die Münchner Jazzrausch Marchingband wird in Südtirol über Straßen und Plätze „marschieren“, etwa durch das Zentrum von Bruneck. Ihren impulsiven tanzbaren Sound elektronischer Clubmusik verbinden sie, immer überraschend, mit kreativ-komplexen Jazzkompositionen. Auf dem bekannten malerischen Obstmarkt von Bozen bietet das Quartett „Kuhn Fu“ um den deutschen Gitarristen Christian Achim Kühn „Postromantic Jazz/Rock disorder“, wie sie es selbst nennen.

Jazz im Waggon der Rittenbahn; Foto: M.Ruepp

Wie sehr das Jazzfestival mit der Genussregion Südtirol verzahnt ist, zeigt sich auch am Pflegerhof unterhalb von Seis am Schlern. Der biologisch wirtschaftende Betrieb ist ein kleines Paradies der Farben, Aromen und Düfte. Er ist Südtirols vielfältigster Kräuterhof. In dieser bunten Pflanzenwelt werden die Musiker der Euregio Jazzwerkstatt in wechselnden Besetzungen spielen. Dazu bieten die Bäuerinnen Gerichte aus den hier angebauten Kräutern.

Die nostalgische Rittner Bahn wirkt beim Jazzfestival immer wieder mit: Die Stimmung ist bombig, wenn ein mobiles Marching-Orchester in den Waggons loslegt, die langsam in Richtung Erdpyramiden zuckeln. Diesmal an Bord ist ein von Joachim Badenhorst angeführtes Oktett mit Musikern aus sechs Ländern. Ihre magisch anmutenden Soundlandschaften aus Jazz, freier Improvisation, Folk und Noise sind grenzenlos angelegt. Höhepunkt ist das Konzert auf der Aussichtsplattform vor den Erdpyramiden.

Jazz im Park des Hotels Laurin, Bozen; Foto: Norbert Linz

Eines der Highlights des Festivals ist jedes Jahr das Konzert im Bozener Jugendstilhotel Laurin, genauer: im stimmungsvollen Park mit seinen riesigen Mammutbäumen. Diesmal tritt die Urban Voyage-Bigband auf unter der Leitung des 27-jährigen luxemburgischen Multiinstrumentalisten Pol Belardi. In seiner Heimat hat er sich schon längst einen Namen gemacht. Die neun Mann nutzen weite Improvisationsräume und bieten entspannte Lounge-Musik, beeinflusst von lateinamerikanischem Pop und impressionistischer Musik.

Die lauen Südtiroler Sommerabende geben dem Jazzfestival eine unvergessliche mediterrane Note.

Die meisten Konzerte sind kostenlos, im übrigen liegen die Preise bei 5 bis 20 €.

Info:

www.suedtiroljazzfestival.com; Tel.: 0039 0471 98 23 24;

info@suedtiroljazzfestival.com

Die meisten Konzerte sind kostenlos, im übrigen liegen die Preise bei 5 bis 20 €.

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