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Das neue, edle Gewand des “Geselligen”

Rebflächen am St.Magdalener Hügel, Foto: Albin Thöni

Rebflächen am St.Magdalener Hügel, Foto: Albin Thöni

Südtiroler Winzer haben Anbaufläche und Ertrag des einstigen Zechweins zuletzt drastisch reduziert. Jetzt bauen die Kreativen unter ihnen die autochtone Rebe mit neuem Profil zum Aushängeschild der Region aus. Ein Plädoyer für den Vernatsch, einen einzigartigen traditionellen Südtiroler Wein.

Nichts hat das Südtiroler Landschaftsbild in der Vergangenheit so sehr geprägt wie er. Doch auch niemandem wurde in den letzten Jahrzehnten so übel mitgespielt wie ihm. Zuletzt war er gar arg gebeutelt. Doch jetzt macht er sich auf – gefördert von führenden Winzern – in edleren Gewand, Herz und Gaumen einer neuen Gefolgschaft zu erobern. Die Rede ist vom Vernatsch, dem heimlichen Regenten Südtirols.

Das „Landschaftsbild“ der Pergel, das typische Südtiroler Rebenerziehungssystem, die Weinterrassen mit den Natursteinmauern und nicht zuletzt die sich leuchtend gelb verfärbenden Rebblätter im Herbst sind ein Werk der „Land Art“, indem diese nicht nur die Landschaft prägen, sondern auch die Alltagskultur und die Menschen, Dichter, Denker, Künstler und Architekten inspirieren, die in dieser Gegend leben. Im typischen Vernatsch mit seinen vielen Spielarten, beispielsweise dem Kalterersee, dem klassischen St. Magdalener, dem Bozner Leiten, dem Meraner Hügel und dem Vinschger Vernatsch, spiegelt sich seit je her immer etwas vom Wesen der Menschen wider, die ihn produzieren. Er macht gemütlicher und geselliger, denn er liegt nicht nur den Leuten, die in diesen Weingegenden leben, am Herzen und im Gemüte.

Pergellandschaft in Signat: Prägend für das Südtiroler Landschaftsbild; Foto: Albin Thöni

Pergellandschaft in Signat: Prägend für das Südtiroler Landschaftsbild; Foto: Albin Thöni

Der Vernatsch steht für Heimatverbundenheit, für jahrhundertealte Tradition und die Alltagskultur, aber er befindet sich mitten in einem Prozess tiefgreifender Veränderungen. Diese setzen auf seine drei großen Stärken: seine außergewöhnliche Vielfalt, die Möglichkeit, ihn zu fast jedem Essen anzupassen, sowie nicht zuletzt sein ihm innewohnendes Entwicklungspotential, wobei er auch jung getrunken werden kann. „Der Vernatsch hat das Zeug zu Qualität, aber auch dazu, ein moderner Wein zu sein, der sein Terroir unverfälscht widerspiegelt und vor allem Trinkfreude bereitet“, sagt Christine Mayr, Präsidentin der Südtiroler Sommeliervereinigung.

Der Name Vernatsch taucht erstmals 1490 in einer Weinrechnung des bayrischen Klosters Tegernsee auf. Allerdings wird er bereits im späten Mittelalter auch als „Potzner“ an Klöstern, Stiften und herzoglichen Höfen im süddeutschen Raum erwähnt. Im Jahre 1373 wird in einem Erlass des Kaisers Karl IV., zur Zeit von Margarethe von Maultasch, eine Rebsorte als „Vernatschia“ benannt, wobei es sich wohl um die weiße Rebsorte Vernaccia aus Ligurien gehandelt hat. Die Verbreitung des blauen Vernatsch ist mit der Umstellung der Weinbereitung im 16./17. Jahrhundert von der Vergärung des gepressten Mostes auf die Maischegärung der zerquetschten Trauben einhergegangen. Im südlichen Teil Tirols (Deutsch-Tyrol) hat der Vernatsch den Weinbau ab dem frühen 19. Jahrhundert geprägt.

Weinkunst; Foto: Albin Thöni

Weinkunst; Foto: Albin Thöni

Doch der Boom des Vernatsch in den späten siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts führte mit einer Steigerung der Erträge auf 200 dt/ha zu einer regelrechten „Überschwemmung“ des Marktes mit Vernatsch von mehr als 250.000 hl pro Jahr. 1978, auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung, machten die Vernatsch-Reben zwei Drittel der Weinfläche in Südtirol aus. 20 Jahre später, 1998, waren es immerhin noch knapp die Hälfte. Das jahrelange Überangebot des längst als „Zechwein“ verrufenen Vernatsch und die daraus resultierende mangelhafte Qualität haben zu seinem tiefen Fall geführt, dessen Folgen bis heute andauern.

In den vergangenen Jahren haben führende Südtiroler Winzer alles daran gesetzt, dieser Entwicklung entgegen zu steuern. Sie haben die Erträge mit einem harten Schnitt innert weniger Jahre auf unter 100dt/ha beziehungsweise auf weniger als 60.000 hl und nurmehr rund 15 Prozent der Südtiroler Rebfläche reduziert. Ihr Ziel ist es, die Qualität, das Ansehen, die Wertschätzung und damit die Wertschöpfung des Vernatsch wieder zu verbessern und durch verschiedene Initiativen die Zahl seiner wieder Liebhaber zu mehren.

Im großen Weinfuder Keller St. Michael, Foto: Albin Thöni

Im großen Weinfuder Keller St. Michael, Foto: Albin Thöni

So hat die Kellerei Bozen die Anbaufläche des Vernatsch von 190 ha im Jahre 1993 auf 80 ha St. Magdalener und 10 ha Südtiroler Vernatsch und Bozner Leiten im Jahre 2015 mehr als halbiert. Mit dem St. Magdalener classico Huck am Bach hat diese Kellerei ein bekanntes Aushängeschild. Bei der Kellerei Kaltern beträgt der Anteil an der Vernatschrebe derzeit 68 ha, während er 2007 noch 114 ha betrug. Der Kalterersee wird für diese Kellerei der Wein bleiben, der eine klare Positionierung sowie Identifikation mit dem höchsten Stellenwert ermöglicht. Sein bekanntester Vertreter ist der Pfarrhof Kalterersee.

 

Rebenlandschaft bei Kaltern; Foto: Albin Thöni

Rebenlandschaft bei Kaltern; Foto: Albin Thöni

Bei der Kellerei Erste+Neue betrug der Anteil am Kalterersee im Jahre 1986 noch um die 230 ha. Dieser Anteil wird sich bei 25 Prozent der Rebfläche einpendeln, was 65 ha bedeutet. Das Flaggschiff der Kellerei ist inzwischen der Kalterersee Leuchtenburg. Die Rebfläche der Kellerei St. Michael Eppan war im Jahre 1977 zu 80 Prozent mit Vernatschreben bestückt. Dem gegenüber stehen 12 Prozent (46 ha) im Jahr 2015. Die Vernatsch-Vertreter der Kellerei runden deren vielfältiges Angebot im Weißweinbereich mit verschiedensten Spielarten ab: Beispielhaft sind der Kalterer See Auslese, der klassische St. Magdalener und der Pagis.

Die Kellerei Girlan hat die Vernatschrebfläche von 152 ha auf 42 ha geschrumpft. Mit dem Gschleier und dem Fass 9 hat diese Kellerei einen sehr erfolgreichen Weg der Neupositionierung eingeschlagen. Die Kellerei Tramin hat seit Ende der Neunziger Jahre von 138 Hektar Rebfläche auf 34 ha im Jahre 2015 umgestellt. Aushängeschilder sind der Vernatsch Freisinger und der Hexenbichler. Die Kellerei Schreckbichl hat derzeit 30 ha mit Vernatschreben bestockt. Ihre hervorragenden Vernatschweine sind der Menzenhof und der Rotfüssler. Bei der Kellerei Kurtatsch hat die Vernatschrebfläche von 125 Hektar in den Achtziger Jahren auf derzeit 26 ha abgenommen. Diese Kellerei setzt auf den Grauvernatsch Sonntaler. Auch die Kellerei St. Pauls weist nur mehr 22 ha Vernatschrebfläche auf. Der wichtigste Vernatsch-Vertreter ist hier der Passion.

Idyllische Rebenlandschaft  im Eisacktal im November; Foto: Albin Thöni

Idyllische Rebenlandschaft im Eisacktal im November; Foto: Albin Thöni

Der klassische St. Magdalener vom gleichnamigen berühmten Hügel über Bozen wird wegen seines einzigartigen Charakters auch als der „König“ der Vernatschweine bezeichnet und gilt als „9. Bozner Seligkeit“. Mehr als 20 bekannte Weingüter, Weinhöfe- und Kellereien, die über Vernatschrebflächen unterschiedlichster Größe verfügen, bauen diesen Vernatsch an. Auch der klassische Magdalener ist trotz des Einsatzes von jungen und äußerst engagierten Winzern, die aus ihrem St. Magdalener einen „Besonderen“ machen wollen, von gut 460 ha auf weniger als 200 ha geschrumpft.

Vor 20 Jahren betrug der Vernatschanteil bei den Kellereien Burggräfler Kellerei und Weinkellerei Meran noch 70 Prozent. In der fusionierten Kellerei Meran Burggräfler bewegt er sich aktuell auf ca 30 Prozent (~ 90 ha). Der fruchtige und würzige Meraner DOC, der nur im Meraner Raum angebaut werden darf, ist mit dem „Schickenburg und dem Meraner Küchlberger identitätsstiftend für den Meraner Raum. Die Reben des Vinschgau Vernatsch „Sonnenberg“ liegen mit ihren Lagen auf Höhen von teilweise über 600 Metern und bilden damit eine Ausnahme.

WeinakadeUnter den Pergeln der Kellerei St. Pauls und St. Michael; Foto: Albin Thöni

WeinakadeUnter den Pergeln der Kellerei St. Pauls und St. Michael; Foto: Albin Thöni

Zur deutlichen Verbesserung von Anspruch und Image des Vernatsch haben alle diese Kellereien beigetragen, indem sie mit klugem Weitblick die Weichen für die Steigerung und die Sicherung der Qualität stellten. Nicht nur die älteren Vernatschwinzer hängen mit ihrem ganzen Herzblut, mit Leib und Seele, mit großem Fleiß und viel Liebe, an Südtirols autochthoner Rebsorte. Dazu kommen ihre Ehrfurcht vor Geschichte und Tradition, der Bezug zur Alltagskultur sowie die Wertschätzung der Einzigartigkeit des Vernatsch. Diese hohe Identifikation mit dem Vernatsch trieb und treibt die Winzer voran und lässt ihre Arbeit zutiefst befriedigend erleben.

Am Ende geht es jedoch um das Image und damit die Wertschöpfung der Vernatschtraube. Diese schlagen sich im Auszahlungspreis nieder. Für ein Kilogramm Vernatsch wird von den Kellereien, im Vergleich zu anderen Rebsorten, der geringste Preis ausbezahlt. Alle anderen Rebsorten sind für die Weinbauern derzeit wesentlich lukrativer. Auch ist der Verkaufspreis einer 0,7-Liter-Flasche in den meisten Kellereien zu niedrig angesetzt, weil der Markt andere Sorten verlangt. Eine Folge des jahrzehntelangen Herunterwirtschaften des Vernatsch. Dazu kommt aus Marketing-Sicht auch die immer noch angewendete Abfüllung der Vernatschweine in 1 Liter-Flaschen mit Kronkorken, die dringend beendet werden müsste. Zumindest eine klare Trennung in der Etikettierung von Vernatsch–Schankweinen gegenüber dem 7/10 Segment ist überfällig. Lediglich eine stark reduzierte Abfüllung in womöglich mit Schraubverschluss (oder Korken) verschlossenen Literflaschen für besonders treue und anhängliche (ältere) Kunden sollte weiterhin Bestand haben.

Autor Albin Thöni: "Ich bin ein St. Magdalener"; Foto: Schönessüdtirol.de

Autor Albin Thöni: “Ich bin ein St. Magdalener”; Foto: Schönessüdtirol.de

Das Image dieses typischen einheimischen Südtiroler Weines zu heben, ist möglich, da in den vergangenen Jahren eine konstant hohe Qualität auch beim Vernatsch erzielt worden ist, ganz im Sinne von mehr Klasse und weniger Masse! Das Motto lautet: „Klein und Fein und in der Krise liegt auch eine Chance!“ Diese neue Maxime der Kellermeister und annähernd 100 ehrgeizigen und ökologisch wirtschaftenden Weinbauern gilt es ins rechte Licht zu rücken und die Arbeit jener kreativen Weinbauern zu unterstützen, die sich der Biodiversität im Weinberg verschrieben haben und sich als Partner in einem nachhaltigen Ökosystem verstehen.

Die Sieger des 2015er Jahrgangs von St. Magdalener, Kalterer See und Südtiroler Vernatsch: Günther Hölzl (pur südtirol – Organisation), Othmar Kiem (Wineline International, Organisation), Erwin Eccli (Pardellerhof-Montin), Willi Stürz (Kellerei Tramin), Stefan Filippi (Kellerei Bozen), Leopold Kager (Kellerei St. Pauls), Othmar Donà (Kellerei Kurtatsch), Andrea Moser (Kellerei Kaltern), Hannes Pfeifer (Pfannenstielhof), Markus Prackwieser (Gumphof), Florian Gojer (Glögglhof), Jörg Ganßer (Vernatsch Botschafter), Ulrich Ladurner (vigilius mountain resort – Organisation); Foto: Weinwelten

Die Sieger des 2015er Jahrgangs von St. Magdalener, Kalterer See und Südtiroler Vernatsch: Günther Hölzl (pur südtirol – Organisation), Othmar Kiem (Wineline International, Organisation), Erwin Eccli (Pardellerhof-Montin), Willi Stürz (Kellerei Tramin), Stefan Filippi (Kellerei Bozen), Leopold Kager (Kellerei St. Pauls), Othmar Donà (Kellerei Kurtatsch), Andrea Moser (Kellerei Kaltern), Hannes Pfeifer (Pfannenstielhof), Markus Prackwieser (Gumphof), Florian Gojer (Glögglhof), Jörg Ganßer (Vernatsch Botschafter), Ulrich Ladurner (vigilius mountain resort – Organisation); Foto: Weinwelten

Dazu tragen auch die anerkennenswerten Bemühungen und Events von Liebhabern und Enthusiasten rund um den Vernatsch maßgeblich bei. Das sind vor allem der Vernatsch Cup im Vigil Mountain Resort und der Dolomiten-Vernatsch, sowie andere Initiativen, wie jene von den Weinhöfen, Weingütern und Kellereien des klassischen St. Magdalener, und die Kalterersee-Charta, eine wegweisende Qualitätsinitiative von wein.kaltern.

Mehr denn je braucht das Weinland Südtirol Weine mit Kultstatus sowie Zugpferde, die sich in einer sehr hohen Qualitätsstufe bewegen. Dafür bietet sich auch der Vernatsch in all seinen Schattierungen und Spielarten an. „Das Profil des Vernatsch unter den Rotweinen gilt es zu betonen: das helle bis leuchtende Rubinrot, das mitunter in Richtung eines Karmingranat tendiert, die eigenständige Aromatik nach Süßkirschen, roten Johannisbeeren, Erd- und Himbeeren, aber auch von Veilchen und Jasmin, und oftmals Anklängen nach Zwetschgen, mit einer angenehmen Bittermandel- und leicht rauchigen Noten“,

„Der Vernatsch brilliert mit Fruchtigkeit und Samtigkeit, er ist arm an Tannin und Säure, besticht jedoch mit Milde und Geschmeidigkeit sowie einer ausgesprochenen Eleganz am Gaumen", bescheinigt Chris Mayr dem Südtiroler Aushängeschild.

„Der Vernatsch brilliert mit Fruchtigkeit und Samtigkeit, er ist arm an Tannin und Säure, besticht jedoch mit Milde und Geschmeidigkeit sowie einer ausgesprochenen Eleganz am Gaumen”, bescheinigt Chris Mayr dem Südtiroler Aushängeschild.

wünscht sich Sommelierspräsidentin Christine Mayr. „Der Vernatsch brilliert mit Fruchtigkeit und Samtigkeit, er ist arm an Tannin und Säure, besticht jedoch mit Milde und Geschmeidigkeit sowie einer ausgesprochenen Eleganz am Gaumen. Er besitzt das Potential Aushängeschild zu sein für Südtirol und die landestypische Leichtigkeit des Seins und seine Alltags-Kultur. Der Vernatsch besticht durch seine Einfachheit, Klarheit und Lauterkeit, er ist nicht gekünstelt und nicht kompliziert, aber er getragen von stiller Größe und strahlt eine edle Noblesse aus“, lautet das Urteil von Christine Mayr, der Präsidentin der Südtiroler Sommeliervereinigung.

Diese neue Noblesse verdankt der Vernatsch bodenständigen, schon immer qualitätsbewussten Winzer wie Johannes Pfeiffer vom Pfannenstielhof in Bozen, auch 2016 wieder einer der Gewinner des Vernatsch Cup. Anders als so viele Kollegen, hat er seinen Bestand übrigens nicht reduziert. Er sagt: “Ich finde schade, dass die Vernatsch-Traube so stark reduziert wurde. Man soll zu dieser Traube stehen, man muss sie nur gut machen. Viele reden von Blauburgunder, Cabernet und Chardonnay. Aber der Vernatsch ist eben einzigartig für uns Südtiroler. Wenn der gut gemacht ist und ein paar Jahre reift, dann ist das ein toller Wein, dem man zu allem und immer trinken kann. Er hat sehr feien Tannine, ist Allround-Wein, kühl im Sommer zu Fleisch und Fisch. Es ist ein Riesen-Glück, solche eine Traube und solchen Wein zu haben.“

Hannes Pfeifer vom Pfannenstielhof in Bozen - hier mit seinen Töchtern - trägt mit seinem St. Magdalener maßgeblich zur neuen Qualität und dem gestiegenen Ansehen der Vernatsch-Weine bei; Foto: Albin Thöni

Hannes Pfeifer vom Pfannenstielhof in Bozen – hier mit seinen Töchtern – trägt mit seinem St. Magdalener maßgeblich zur neuen Qualität und dem gestiegenen Ansehen der Vernatsch-Weine bei; Foto: Albin Thöni

In der Tat ist der Vernatsch ist ein idealer und geselliger Begleiter typischer (nicht nur Tiroler) Vor-und Hauptspeisen, er eignet sich zur Tiroler Marende und vielen Knödelvariationen, aber auch zur mediterranen Küche mit Nudelgerichten und weißem (auch gegrilltem) Fleisch. Es gibt fast keinen Wein, der besser geeignet ist für das „Food Pairing“, also für die Paarung Speisen-Wein, wie den Vernatsch. Die Trinktemperatur sollte dabei um die 13- 14° C betragen, so Pfeifers Empfehlung.

„Unser Hof war einer der ersten, der den Vernatsch in 0,7 Liter-Flasche abfüllte um den St. Magdalener Wein sehr hoch zu heben. Der Verntasch ist heute ein hochwertigerer, edlerer Wein, den ich sehr liebe. Um die hohe Qualität zu erzeugen, nehme ich eine sehr starke Reduzierung vor“ erzählt er. Jede zweite Traube wird ausgeschnitten, kleine Mengen übrig gelassen, die Erntezeit zögert er möglichst lange heraus. Das Ergebnis sind vollreife Trauben, die einzeln hängen und entblättert sind und viel Sonne bekommen. Der Clou ist dann sein persönlicher Reifetest: „Ich nehme die Beere an der Traube weg, esse sie und schmecke am Samen, ob die Traube reif. Das ist dann der Fall, wenn die Kerne Röstaromen vorweisen.“

Steile Lage des Sanctissimus  St. Pauls ; Foto: Albin Thöni

Steile Lage des Sanctissimus St. Pauls ; Foto: Albin Thöni

Auch Martin Gojer, junger Winzer der Bozener Kellerei Pranzegg hebt den Vernatsch aufs Schild: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Vernatsch die einzige rote Sorte in Südtirol ist, welche international unser Gebiet vertreten kann! Aber nur mit einer gewissen Qualität im Weinberg, im Keller und in der Folge dann einer angemessenen Reife.“

Diese Rolle, auch als idealer leicht gekühlter „Sommerwein“, neben dem Rosè, gelte es hervorzuheben. Je mehr Südtiroler Winzer so denken und ihren Vernatsch danach ausbauen, desto mehr Herzen und Gaumen wird er zurückerobern.

Der Autor Dr. med. Albin Thöni ist AIS Wein– und Diplom Bier-Sommelier (Doemens) und Diplom-Genussbotschafter der Qualitätsprodukte Südtirols.

 

 

 

 

About Albin Thöni

Der gebürtige Malser Albin Thöni ist Facharzt für Gynäkologie und leitete bis vor einigen Jahren als Primar die Gynäkologische Abteilung im Krankenhaus Sterzing. Dort führte er ein breites Angebot an alternativen Gebärmethoden, vor allem von Wassergeburten ein. Nach der Beendigung seiner ärtzlichen Laufbahn bildete er sich als Sommelier und Südtiroler Genussbotschafter aus. Er ist ein exzellenter Kenner Südtiroler Weine und Bier und publiziert regelmäßig darüber, sowie über die Wirkung von Bier und Wein auf die menschliche Gesundheit aus medizinischer Sicht.

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