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Jazzfieber in Südtirol: Hörgenuss mit Fernsicht

Beim Südtirol Jazzfestival werden Felsbrocken zur Jazzbühne; Foto SJF

Beim Südtirol Jazzfestival werden Felsbrocken zur Jazzbühne; Foto SJF

Viele warten schon sehnsüchtig: Am 24. Juni startet das 34. Südtirol Jazzfestival und macht eine ganze Region für zehn Tage zur Jazzbühne. Unter den kleineren Jazzfestivals ist es eines der ungewöhnlichsten, originellsten und beliebtesten.

Das 34. Südtirol Jazzfestival inszeniert sich in bekannten Weingütern und gemütlichen Gasthöfen, in modernen Museen und beschaulichen Gassen, in alten Klöstern und auf Almen. Bands und Solisten begeben sich nicht nur musikalisch in schwindelnde Höhen. Sie erklimmen mit ihren Instrumenten auf dem Rücken ganz real die Berge. Schon zur Tradition geworden ist das Bergkonzert auf der Comici-Hütte am Fuß des Langkofels in 2154 Metern.

Wien trifft musikalisch auf Neapel

Acht Künstler aus Italien, Österreich und Slowenien praktizieren dort anschaulich das diesjährige Motto des Festivals „Neues Hören, mit Fernsicht“ und bestärken den Länderschwerpunkt von 2016: Österreich – Italien. Gerade in einer Zeit, in der die Politik am Brenner neue Grenzen hochziehen will, ist die kulturelle Verbindung zwischen Nord und Süd von besonderer Bedeutung. In dem Projekt „Cantata Viennapoli“ (welch amüsante Wortkombination!) trifft das neapolitanische Vokaltrio Assurd mit dem Wiener Keos-Quintett zusammen. Schwelgende Serenatas treffen auf den Charme des Wiener Lieds: ein Mix aus Volksliedern, freier Improvisation und Jazz.

Konzertsaal aus Apfelkisten

Das Eröffnungskonzert zwei Tage davor am 24. Juni zeigt einmal mehr, wie originell das Südtirol Jazzfestival seine Locations plant. Ganz im Sinne des künstlerischen Leiters Klaus Widmann, der sich „eine neuartige Entdeckungsreise durch ganz Südtirol“ wünscht. Die Wände des „Konzertsaals“ werden – wie sinnig für Südtirol als dem Obstgarten Europas – in der Obstgenossenschaft in Frangart/Eppan aus großen Apfelkisten aufgebaut. So schräg und innovativ wie die Kulisse ist das Programm: Der in Italien lebende US-Saxophonist Dan Kinzelman und der österreichische Bassist Lukas Kranzelbinder haben für diesen Abend ein „Melting Orchestra“ zusammengestellt.

Auch an lauschigen Plätzen, in Weingütern und Höfen, erklingt moderner Jazz; Foto: SJF

Auch an lauschigen Plätzen, in Weingütern und Höfen, erklingt moderner Jazz; Foto: SJF

Ein buntes Ensemble aus 13 Musikern, die entsprechend dem Länderschwerpunkt in den Jazzszenen von Österreich und Italien verwurzelt sind. Lebensfrohe Volksmusik aus dem Mezzogiorno mixt sich mit melancholischem Wiener Liedgut und slowenischen Weisen der Sängerin Maja Osojnik. Der bekannte Vorarlberger Trompeter Martin Eberle trifft auf den jungen, in der Jazzszene strahlenden Ausnahmepianisten Elias Stemeseder. Dazwischen funkt das italienische Hobby Horse Trio mit seinem explosiven Sound kombiniert aus Free Jazz, Rock und elektronischer Musik.

Musikalische Weinwanderungen in Brixen

Brixen bietet in diesem Jahr „Jazz&Wine“ in Form musikalischer Wein-Wanderungen durch Weingüter in Neustift/Vahrn. Mit Führungen und Weinverkostung beim Pacherhof und dem Köfererhof, begleitet von drei Jazzmusikern, die abschließend in der Stiftskellerei Neustift ein Konzert geben. Am Brixener Domplatz im alten Gefängnishof und in Lokalen im Zentrum finden weitere Konzerte statt, natürlich bei Eisacktaler Weißweinen.

Auf dem Bozener waltherplatz und im Restaurant Batzenhäusl geben Jazzmusiker ihr Können zum Besten, Foto: SJF

Auf dem Bozener waltherplatz und im Restaurant Batzenhäusl geben Jazzmusiker ihr Können zum Besten, Foto: SJF

Doch auch die Bierfreunde kommen nicht zu kurz: In einer der ältesten Braugaststätten Bozens, dem urigen Batzenhäusl, trifft sich eine elfköpfige neapolitanische Improvisationsgruppe. Ihre Philosophie: keine Vorbereitung, keine Partituren, keine vorgegebenen Tonarten. Beeinflusst von Jazz und Rock bis zum Hip Hop will die Formation in einer freien Spielform allen Bandmitgliedern Improvisationsräume schaffen. Bei der jazzigen Bierverkostung mit dabei der italienische Bierpapst Lorenzo „Kuaska“ Dabove.

Jazzrausch zwischen Erdpyramiden

Viel Anklang findet jedes Jahr der Jazz auf den Berggasthöfen und Almen: vom Vinschgau bis ins Gadertal in den nördlichen Dolomiten, von der Feltuner Hütte auf dem Rittner Horn, einer Almhütte in über 2000 Metern Höhe, bis zu den Erdpyramiden auf dem Ritten, den schönsten in Europa. Hier wird das Münchner Musikerkollektiv „Jazzrausch“ mit ihrer Marchingband einen impulsiven elektronischen Clubsound zum Besten geben – immer überraschend und tanzbar.

Der Bozener Hausberg Ritten wird mit seinem großartigen Ausblick zur Panormabühne; Foto: SJF

Der Bozener Hausberg Ritten wird mit seinem großartigen Ausblick zur Panormabühne; Foto: SJF

Zu den Stammgästen beim Südtiroler Jazzfestival zählt der Allgäuer Jazztrompeter, Komponist und Bandleader Matthias Schriefl. Hochprofessionell und doch immer für eine komödiantische Improvisation zu haben. Von Stegen und Booten erklingt am Karer See vor der Kulisse von Rosengarten und Latemar der „Shreefpunk“: Jazz und Punk, unterstützt von vier Streichern der Münchner Philharmoniker, liefern klassische Ohrwürmer, die mit Punkriffs und Clustern kollidieren. Experimenteller witziger Jazz, der überraschend wüste Ausbrüche zulässt.

Zufallsmusik im Hotelgarten

Ein stimmungsvolles Highlight vom Ambiente her ist jedes Jahr das Jazzkonzert im Privatpark des Bozener Traditionshotels Laurin. 2016 tritt David Helbock´s Random/Control auf. Die drei Bregenzer mit klassischer Musikausbildung sind Multiinstrumentalisten. Sie lieben das Wechselspiel von Kontrolle und Freiheit, die für sie nicht immer Zufall (Random) bedeutet. Mit dieser Philosophie und drei Dutzend Instrumenten fegen sie spielerisch über Kulturen und Stile hinweg.

Beim diesjährigen Festival bespielt ein Jazz-Tross von mehr als hundert Musikern ganz Südtirol mit fast 80 Konzerten. Bei der Auswahl sollte für jeden etwas dabei sein!

Tickets und Programminfo

Viele Konzerte sind gratis, der Rest kostet 15 – 25 €. Ermäßigungen erhalten alle unter 30 Jahren sowie Besitzer der Dolomiten Vorteilskarte

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