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Schmuckstücke aus der „Machkammer“

Karl-Heinz Windegger, Apfelbauer und Kunstdrechsler vom Lahngut in Lana bei Meran, Foto: Ralf Scholze

Karl-Heinz Windegger, Apfelbauer und Kunstdrechsler vom Lahngut in Lana bei Meran, Foto: Ralf Scholze

Manche Südtiroler Bauernhöfe pflegen noch das bäuerliche Handwerk als Nebenerwerb. Wer sie besucht, bekommt Einblick in Arbeitsweisen aus der guten alten Zeit – und kann auf Wunsch selber ein paar Stücke fertigen.

Liebevoll streicht Karl-Heinz Windegger mit seiner rauen Hand über das Innere einer Obstschale. Seine Augen blitzen. „Es ist das Unebene, das Ungleiche, das mich fasziniert“, drängt es dem 51-Jährigen heraus. Die interessanten Maserungen der Laubhölzer, die knotige Veredelungsstelle beim Apfelholz, ein knorriger alter Holzblock: Holz, so wie es die Natur prägt, ist das, was der Landwirt für seine Drechselarbeiten bevorzugt verwendet. Die Liebe zum Holz lockt den Bauern vom Südtiroler „Lahngut“ in Lana regelmäßig von seinem Obstgarten in die hofeigene Werkstatt mit Blick auf seine Apfelbäume.

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Karl-Heinz Windegger in seinem Ausstellungsraum, Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Der Hof umfasst 2,5 Hektar Obstwiesen und liegt in Niederlana südlich von Meran, das für seine Pfarrkirche mit dem spätgotischen Flügelaltar des Malers und Bildhauers Hans Schnatterpeck bekannt ist. In Windeggers Werkstatt duftet es betörend nach frischen Zirbenspänen. Hier steht das Herzstück, seine gusseiserne Drechselbank. An ihr zaubert der begeisterte Drechsler seine vielfältigen Unikate. In dem kleinen, edlen Ausstellungsraum nebenan stellt er die modern designten Schalen, Teller und Vasen wie Kunstobjekte liebevoll und professionell zur Schau.

Jedes Stück ist ein Unikat

Der kernige Obstbauer mit dem struppigen Vier-Tage-Bart ist einer der wenigen Bauern in Südtirol, die noch ein bäuerliches Handwerk als Nebenerwerb pflegen. Oder besser gesagt: wieder pflegen. Denn erst vor etwa zehn Jahren hat er sein Herz fürs Kunstdrechseln entdeckt. 2005 belegte er einen Drechselkurs in der Ultentaler Winterschule. „Da habe ich dann Feuer gefangen und insgesamt sechs Kurse gemacht“, erzählt er. „Ich habe mir den Garten umgebaut, einen Windschutz errichtet und hatte die Idee: Da könnte ich ja auch ein paar Sprossen drehen. Und dann hatte ich auch noch das Glück, dass bei dem Drechselkurs der Winterschule einer ausgefallen ist und ich nachrücken konnte“. Für Karl Heinz-Windegger der Startschuss in eine späte Drechslerkarriere.

Alle Werkstücke vom Lahngut sind Unikate; Foto: Heiner Sieger

Alle Werkstücke vom Lahngut sind Unikate; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Denn seitdem hat ihn die Faszination für dieses Handwerk gepackt und nicht mehr losgelassen. Vor allem in den Wintermonaten verbringt der Bauer viel Zeit in seiner Werkstatt. Mit welchem Einsatz er bei der Sache ist, verrät das Ergebnis: In den aufwendigen Werkstücken stecken unzählige Stunden Handarbeit. „Es ist eine wahre Leidenschaft“, bekennt der Hobby-Drechsler, während er voller Stolz die schönsten Stücke in seinem Ausstellungsraum herzeigt. Jedes ist ein Unikat.

Apfelbaumholz aus dem eigenen Betrieb gehört zu den liebsten Hölzern, die der Kunstdrechsler verwendet. Aber auch mit Kirsche und Nuss sowie Esche und Buche arbeitet er gerne. Mit einem Lachen erinnert er sich an sein „größtes Glück“, vor drei Jahren auf dem Weihnachtsmarkt in Meran. Da kam ein Bauer an seinen Stand und bot ihm einen 150 Jahre alten Nussbaum an. „Den konnte ich dann zum Brennholzpreis kaufen und jetzt bleibt er mal sicher ein Jahr liegen zum Trocknen“ erzählt er voller Inbrunst. „Dann schneide ich mit der Motorsäge einige Stücke raus, anschließend drehe ich die Stücke auf der Drechselbank als Rohlinge vor und die lagere ich dann nochmal.“

Die besten Hölzer aus Südtirols Tälern

Karl-Heinz Windegger liebt seine heimischen Hölzer; Foto: Roter Hahn

Karl-Heinz Windegger liebt seine heimischen Hölzer; Foto: Roter Hahn

Im Grunde findet er alle Hölzer schön. Das Laubholz allerdings sei interessanter, rein wegen der Maserung. „Wenn mir jemand einen Laubbaum anbietet, greife ich sofort zu“, schmunzelt er. Inzwischen bekommt Windegger Angebote für wertvolle Bäume aus ganz Südtirol und darf sich die besten Stämme aussuchen mal einen wilden Kirschbaum aus dem Passeiertal, Walnuss aus dem Ultental, Zirben aus dem Pustertal. „Dort gibt es die qualitativ beste Zirbe, auch die im Eggental sind sehr schön. Die Lärchen zum Beispiel sind im Schnalstal am Schönsten.“ Und kommt übers Erzählen ins Schwärmen: „Wilde Kirsche ist für mich ein wundervolles Holz, die geht farblich ein wenig ins grünliche. Es hat so viele Gesichter, geht ein wenig in Richtung Olive und die Leute kennen sie nicht.“

Dem Südtiroler Bauer ist der Wert seiner Arbeit, die Tradition, das Handwerkliche, durchaus bewusst, besonders für Gäste, die in seiner Heimat Ferien machen und bei ihm vorbeischauen. „Das hier ist etwas Ursprüngliches und Seltenes. Wenn ich auf einem Bauernhof Urlaub mache und miterleben kann, wie alles funktioniert, dann vergisst man die Hektik des Alltags. Es ist kaum zu glauben, wie viele Rentner sich inzwischen bei mir haben inspirieren lassen und sich mit Drechseln beschäftigen.“ In der Tat: Wer die wenigen noch verblieben bäuerlichen Handwerker wie Karl-Heinz Windegger besucht, bekommt einen unvergesslichen Einblick in die Arbeitsweisen aus der guten alten Zeit – und kann auf Wunsch sogar selber ein paar kleine Stücke fertigen. Man muss nur ein wenig Zeit, Geduld und Hingabe mitbringen.

Handwerk als Nebenverdienst der „Kleinhäusler“

Bäuerin Beatrix Hohenegger vom Gamsegghof im Langtauferertal verwandelt Gänseeier in klene Kunstschätze; Foto: Roter Hahn

Bäuerin Beatrix Hohenegger vom Gamsegghof im Langtauferertal verwandelt Gänseeier in kleine Kunstschätze; Foto: Roter Hahn

Das bäuerliche Handwerk in Südtirol hat eine jahrhundertelange Tradition. Seine Blütezeit erlebte es in der Zeit zwischen 1800 und 1900. Unabhängig von den spezialisierten Handwerkern in den Städten und auf dem Land waren damals sowohl Kleinbauern als auch Vollerwerbsbauern handwerklich tätig. „Kleinhäusler“ hießen die Kleinbauern, die nur wenig Besitz hatten und meist ein Handwerk als Zusatzverdienst ausübten.

Vollerwerbsbauern, mit acht Stück Vieh und mehr im Stall sowie Ackerland, hingegen hatten es nicht nötig, einen Zuerwerb auszuüben. Insbesondere in den ruhigeren Wintermonaten pflegten sie das Handwerk aber für den Eigengebrauch. Auf jedem Bauernhof gab es dafür eine Werkstatt, die „Machkammer“, die für Ausbesserungs- und Reparaturarbeiten des bäuerlichen Handwerksgeräts genutzt wurde.

Darüber hinaus fertigten die Bauersleute unterschiedliche Gegenstände des täglichen Gebrauchs an: So wurden Körbe geflochten, Rechen gemacht oder an der Drehbank Teller, Schalen und Wetzkümpfe aus Zirbenholz gedrechselt. Während die Männer meist mit Holz arbeiteten, widmeten sich die Frauen vor allem der Verarbeitung der Wolle, fertigten Decken, Hüte und Filzpantoffel. Selbstverständlich wurden die handwerklichen Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben.

Sinnstiftender Kontrast zur online-Manie

Dem Südtiroler Bauernbund ist es zu verdanken, dass dieses traditionelle Bauerhandwerk ausgerechnet im digitalen Zeitalter wiederentdeckt wird – als wohltuend analoger und sinnstiftender Kontrast zur allgegenwärtigen online-Manie. Über seine Marketingorganisation „Roter Hahn“ macht der Verband das Drechseln, Schnitzen und Filzen seit Anfang des Jahrzehnts einem breiteren Publikum bekannt und zugänglich.

 

 

Drei Jahre Vorbereitung brauchte es, 20.000 Höfe in Südtirol wurden befragt, wer noch ein Handwerk nebenher betreibt. Immerhin 40 meldeten sich. In die erste Broschüre „Bäuerliches Handwerk“ schafften es nur fünf Betriebe, inzwischen sind es immerhin acht Bauernhöfe in der Ausgabe von 2016. Kein Wunder, die Kriterien sind anspruchsvoll: „Es muss immer einen aktiv bewirtschafteten Hof geben und die bearbeiteten Rohstoffe müssen auch zum großen Teil vom eigenen Hof stammen“, erläutert Valentina Thurner, Marketing-Direktorin beim Roten Hahn. „In erster Linie geht es um die Bauern, damit die einen schönen Nebenerwerb haben und dass das alte Handwerk noch erhalten wird – wer kann schon noch Drechseln heute?“

Filzpatschen vom Sonnenbalkon

Auch für den Bauern vom Lahngut ist der Nebenerwerb ein großes Thema. „Das Siegel des Roten Hahn ist da sehr wertvoll. Die Menschen wissen inzwischen, dass das exzellente Produkte sind, die sie bei uns bekommen.“ Das bestätigt auch Rita Amort vom „Amort-Hof“ in Altrei. Für ihre Hüte, Taschen und „Patschen“ (Hausschuhe aus Filz) aus der Wolle ihrer 30 eigenen Schafe hat sie mittlerweile Stammkunden aus der ganzen Welt.

Rita Amort vom Amorthof in Altrei fertigt Filzprodukte aus der Wolle der eigenen 30 Schafe; Foto: Roter Hahn

Rita Amort vom Amort-Hof in Altrei fertigt Filzprodukte aus der Wolle der eigenen 30 Schafe; Foto: Roter Hahn

„Als ich mit dem Filzen beginnen habe, hatte ich ein Ziel: Auf dem Hof etwas Besonderes herzustellen, das meine eigene Handschrift trägt. Etwas, von dem ich sagen kann: Das ist jetzt ein Stückl von der Rita. Das ist mir gelungen. Mich erreichen immer wieder Nachrichten von Bekannten und Freunden, die mir erzählen, sie hätten wieder ein Stück von mir gesehen. Inzwischen kommen die Kunden von überall her aus Europa, die Patschen finden sich in China, Spanien, Griechenland und Amerika“, erzählt sie. Die Begeisterung steht ihr dabei ins Gesicht geschrieben.

Gäste lerenn am Amorthof, wie man einfache, aber schöne Filzprodukte herstellt; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Gäste lernen am Amort-Hof, wie man einfache, aber schöne Filzprodukte herstellt; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Ritas Amort-Hof liegt in der 400-Einwohner-Gemeinde Altrei, der südlichsten deutschsprachigen Gemeinde an der Grenze zum Fleimstal. Das Bergdörfchen trohnt auf 1.200 m Seehöhe im Naturpark Trudner Horn und wird aufgrund seiner sonnigen Lage auch als „Balkon Südtirols“ bezeichnet. Vorsichtig zieht Rita Amort ein hauchdünnes Wollvlies hervor. Weich und warm fühlt es sich unter den Fingerspitzen an, ein besonderes haptisches Erlebnis. „Es ist Teil der Faszination, die das Filzen ausmacht“, erzählt die handwerklich versierte Bäuerin. Sie hat sich hier an der Hofstelle ihr eigenes, kleines Reich, ihre „Machkammer“ geschaffen: „Ritas Filzstübele“.

Der Wollverarbeitung auf der Spur

Die hochwertige Wollverarbeitung, das Spiel mit Formen und Experimentieren mit Farben eröffnet unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. Ob wärmende „Patschen“, ausgefallene Handtaschen oder zauberhafte Hüte: Einzelstück für Einzelstück erschafft die Bäuerin Schönes mit Herz und Hand.

Auf den Filz gekommen ist die Altreier Bäuerin bei der Suche nach einem geeigneten Nebenerwerb am Hof. Die Wolle, die sie verarbeitet, stammt vorwiegend von den eigenen Bergschafen und ist von höchster Qualität. Da sie nur eigene Wolle nimmt, ist der Nebenerwerb natürlich beschränkt. Aber so haben ihre Produkte auch eine gewisse Einzigartigkeit. Pro Schur und Schaf gewinnt sie ein Kilo Wolle, bei zwei Schuren pro Jahr sind das 60 Kilo. Für ein paar Patschen in Größe 38 braucht sie rund 300 Gramm Wolle.

Naturprodukte aus Ritas Filzstübele; Foto: Roter Hahn

Naturprodukte aus Ritas Filzstübele; Foto: Roter Hahn

Die kuschelweichen Fasern wäscht sie, anschließend werden sie getrocknet und dann gekämmt. „Durch dieses Kardieren entstehen zarte Wollfaserschichten, das Rohvlies“, erklärt sie, während sie mit der Arbeit für einen kleine dekorativen Filzapfel beginnt. Nun kann es richtig losgehen. Sie benötigt nichts als warmes Wasser, Naturseifenlauge und ein wenig Geduld. Sachte befeuchtet Bäuerin Rita das Wollvlies, mischt noch ein paar rot, gelb und grün gefärbte Stücke dazu und verreibt die Wollfasern zunehmend energischer miteinander, sodass sich diese verhaken und verdichten. Ein strapazierfähiger Filz entsteht. „Ebenso wie Fingerfertigkeit und große Präzision verlangt die älteste Textiltechnik der Welt auch Ausdauer und kräftige Oberarme“, schmunzelt die Bäuerin.

Filzkurs für die Urlaubsgäste

Während ihre flinken Hände werken, malt sich die begeisterte Filzerin in der Regel neue Ideen für fantasievolle Kreationen aus: Sie wählt Farben und Designs, feilt an raffinierten Details und kombiniert Bergschafwolle bisweilen auch mit anderen Naturfasern, um ganz besondere Effekte zu erzielen. Eine Besonderheit aller ihrer von Hand gefertigten Produkte ist, dass diese aus einem Stück gefilzt und damit völlig nahtlos sind.

Viel Erfahrung und eine gute Kenntnis der Materialeigenschaften kommen ihr dabei zugute. „Es ist immer ein spannender Augenblick, wenn ein neuer ‚Patsch‘ oder eine neue Tasche fertig ist“, freut sich die Bäuerin. „Aber die Patschen sind schon meine Lieblingsprodukte.” Für ein Paar benötigt sie drei Stunden. Ihr Markenzeichen sind die eingestickte Ledersohle und die geschwungene Form der Patschen. Mittlerweile hat sie mit ihrer Begeisterung für diese traditionelle Handwerkskunst die ganze Familie angesteckt. Ehemann und Tochter gehen Rita im Filzstübele regelmäßig zur Hand. Auch ihren Hofgästen erklärt Rita gern die Grundlagen des Walkens und bietet zusätzlich einen kleinen Filzkurs an.

Beim Holzschnitzer im Eisacktal

Bei Herbert Kerschbaumer auf dem Thalerhof können die Gäste bäuerliches Handwerk nicht nur bestaunen sondern ebenfalls selber erlernen. Jeden Dienstag von 10 bis 13 Uhr bietet er einen Holzschnitzkurs an. Regelmäßig nehmen Urlaubsgäste und Einheimische teil. „Immer mehr Menschen erkennen den Wert der Natur. Unsere Produkte sind eben ehrliche Sachen. Und meine Gäste wollen gerne was probieren. Am schönsten sind für mich die strahlenden Augen danach, wenn die sie ein eigenes kleines Stück für zuhause geschnitzt haben, das ist wirklich schön.“

Holzschnitzer Herbert Kerschbaumer vom Thalerhof im Eisacktal; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Holzschnitzer Herbert Kerschbaumer vom Thalerhof im Eisacktal; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Der Thalerhof liegt auf 900 m Seehöhe im Ortsteil Schnauders oberhalb des Dorfes Feldthurns im Eisacktal. Vom Hof aus, der seit 1772 in Familienbesitz und als Erbhof ausgezeichnet ist, eröffnet sich ein herrlicher Blick auf die Gipfel der Dolomiten. Zum Hof gehören auch elf Hektar eigener Wald. Dort hält sich Bauer Herbert Kerschbaumer ebenso gerne auf wie in der geräumigen Holzschnitzer-Werkstatt am Hof, wo man ihm und seinem Vater, ebenfalls ein leidenschaftlicher Holzschnitzer, beim Schnitzen über die Schulter schauen kann. „Meine 15 Zuchtrinder sind über den Sommer auf der Alm, da habe ich ziemlich viel Zeit für die Schnitzerei“, freut er sich.

Was ihn am Schnitzen so fasziniert? Herbert Kerschbaumer überlegt nicht lange. „Dass es in meiner eigenen Hand liegt, aus einem unscheinbaren Stück Holz eine ansprechende Skulptur zu schaffen“, antwortet der Feldthurner. Seit mehr als 25 Jahren schnitzt der Landwirt schon. Auch alle Modelle fertigt er selber an. Sein Handwerk hat er mit 15 Jahren beim Vater gelernt, zur Meisterschaft als Bildhauer hat er es später in St. Ulrich im Grödnertal, der Wiege der Südtiroler Holzbildhauerei, veredelt. Der Holzschnitzer ist ein Unterberuf des Bildhauers. „Dieses uralte Kunsthandwerk ist für mich nicht einfach nur ein Hobby, es ist meine Berufung“, betont Kerschbaumer und streicht mit der Hand liebevoll über ein Stück altes Kastanienholz, dessen beide Hälfte er unterschiedlich bearbeitet hat.

Trauben und Äpfel statt Stubenkreuze

Thalerhof in Schnauders bei Feldthurns; Foto: Thalerhof

Thalerhof in Schnauders bei Feldthurns; Foto: Thalerhof

Vom spätromanischen Christus aus Zirbenholz bis zur modernen Frauenskulptur verfügt der Holzschnitzer vom Thalerhof über ein vielfältiges Repertoire. „Stubenkreuze gehen heute nicht mehr, aber dafür Trauben und Äpfel“, erzählt er. „Einmal an der Arbeit, fallen mir neue Ideen schnell zu. Die meisten Auftraggeber wollen ja etwas ganz Spezielles oder Individuelles haben.“ Zu seinen Lieblingsstücken zählen die charaktervollen Feldthurner Gesichter, die er für das Trachtenmuseum in Schloss Velthurns angefertigt hat. Aber auch Porträts seiner Gäste sind bei diesen sehr beliebt. „Der Vater hat einen raueren Stil, er schnitzt auch andere Gesichter. Tiere und traditionelle Trophäenschilder, zum Beispiel für die Jäger, kann er auch besser als ich.“ So bleibt jedem in der Werkstatt sein eigenes Revier.

Zwei Seiten desselben Holzstücks: Schnitzkunst vom Thalerhof; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Zwei Seiten desselben Holzstücks: Schnitzkunst vom Thalerhof; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Das Holz, das die Grundlage für seine stilvollen Schnitzarbeiten bildet, stammt vorwiegend aus dem familieneigenen Wald, der gleich hinter dem Hof beginnt. Auch die im Eisacktal verbreitete Kastanie erlaubt schöne Stücke. Die heimischen Hölzer, darunter auch Zirbe, Lärche, Linde und Fichte verbreiten ihren aromatischen Duft in der Schnitzerwerkstatt.

Oft lagern die Stämme und Stücke über Jahre, bis sie der Bauer in ein Kunstwerk aus Holz verwandelt. Denn am liebsten schnitzt Herbert Kerschbaumer mit Altholz und Wurzelholz. Das kommt seiner Neigung für das Spezielle besonders gut entgegen, sagt er. „Das ist gerade der Reiz dieses Handwerks, dass die Dinge nicht zu einförmig sind. So kommt auch die bisweilen schweißtreibende Handarbeit, die darin steckt, viel besser zur Geltung.“

Holzschnitzereien vom Thalerhof; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Klassische Holzschnitzereien vom Thalerhof; Foto: Heiner Sieger/schönessüdtirol.de

Das Vermieten der beiden Gästezimmer sowie der Nebenerwerb durchs Schnitzen hilft dem Bergbauern, seinen Hof im immer härter werdenden globalen Wettbewerb und Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten wirtschaftlich zu sichern. Dennoch: Das Verkaufen sei ihm nicht so wichtig, sondern, „dass die Leute verstehen, wie schwer das fällt. Wir müssen sowieso schauen, wie lange das eigentlich noch geht mit dem Handwerk. Es ist ja ein Luxusartikel, man braucht es heute nicht unbedingt. Für mich und den Vater reichst es, aber mehr Arbeit gibt es eben auch nicht.“

Weitere Informationen:

Lahngut
Karl Heinz Windegger
Lahnstr. 9
39011 Lana
Tel. 0039-0473- 56 47 61
Mobil-Tel. 0039-335- 8 39 70 70
www.kunstdrechslerei.it

Amort-Hof
Familie Amort
Guggal 26 a
39040 Altrei
Tel. 0039-0471- 88 20 30
Mobil-Tel. 0039-380- 7 12 25 37
www.roterhahn.it/de/handwerk/baeuerliche-produkte-einkaufen-suedtirol/hofdetail/amort-hof

Thalerhof
Herbert Kerschbaumer
39040 Feldthurns
Tel. 0039-0472- 85 52 58
Mobil-Tel. 0039-328- 8 84 50 34
www.thalerhof.it

Die Recherchen von schönessüdtirol.de wurden unterstützt durch “Roter Hahn”.

About Heiner Sieger

"Nur ned locker loassen" - diese Weisheit des Südtiroler Unikums Luis Trenker ist auch mein Motto, beruflich wie privat. Journalismus habe ich von der Pike auf gelernt, in fast allen Ressorts bei der Badischen Zeitung sowie der Schweizerischen Handelszeitung. Dann folgten die taffen Jahre bei Capital, Focus und Münchner Abendzeitung. Heute steht mein eigenes Büro, Redaktion München, mit Schwerpunkt Corporate Publishing im Vordergrund. Neben Fussball und Eishockey pflege ich ein ausgefallenen Hobby: Über Südtirol könnte ich eigentlich den ganzen Tag schreiben. Aber noch lieber bin ich dort, lerne neue Menschen kennen oder treffe alte Freunde und Bekannte.

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