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Schweben auf der Wolle-Wolke

Am Weidacherhof können Gäste ein Wollbad genießen, Foto: Roter Hahn

Am Weidacherhof können Gäste ein Wollbad genießen, Foto: Roter Hahn

Molkepackung, Bergkräuterwickel, Heu-Ofen – Wellness auf dem Bauernhof ist anders und authentisch. Dass beweisen Südtirols Bauernhöfe. Für den Tourismus haben sie die Kraft der Natur wiederentdeckt und setzen dabei ausschließlich auf eigene und regionale Produkte. Ein Besuch vor Ort.

„Alle wollen zurück zur Natur, aber bitte nicht zu Fuß. Wiesenduft, Heu und alles soll herbeigetragen werden. So funktioniert das nicht.“ Maria Theresia Mayrhofer, Bäuerin auf dem Untersteinhof im Südtiroler Hochpustertal, hat wenig übrig für die alpine Wellness, wie sie heute fast von jedem besseren Wellnesshotel zwischen Engadin und Tirol angeboten wird.

Sie vertraut, wie der bodenständige Südtiroler Bauer von je her, bei kleineren und größeren Wehwehchen lieber der Hausapotheke vor der Hoftür oder wirft einen Blick in Großmutters Kräuter-Almanach, statt sich nach Ayurveda-Regeln oder anderen fernöstlichen Heilkünsten zu kurieren. Wenn es zwickt und schmerzt, versuchen es die Südtiroler Bauern erst mal mit gesunden Kräutern von der Almwiese, mit selbstgemachten Salben, Tinkturen und dem einen oder anderen „Stamperl“ Wacholder- oder Arnikaschnaps – als Einreibung gegen bösen Muskelkater oder bei Verspannungen. „Auf einem Quadratmeter Wiese finde ich bis zu 70 verschiedene Kräuter mit Heilkraft“, sagt die Bauersfrau, nicht ohne hörbaren Stolz.

Die Gäste profitieren vom bäuerlichen Gesundheitswissen

Jetzt hat der Südtiroler Bauernbund die Kraft der Natur wieder entdeckt. Die Gäste dürfen von dem bäuerlichen Gesundheitswissen profitieren und die Bauernhöfe können sich einen lukrativen Nebenerwerb erschließen: Heu- und Wollbäder, Bergkräuterwickel, Masken und Packungen mit Molke, Honig-Stempelmassagen, Entspannungsübungen aber auch Naturbadeteich, Bauernsauna, Caldarium, Kneippbecken und Heu-Ofen gehören zum bäuerlichen Gesundheits-Programm. Maria Mayrhofer hat einen erheblichen Anteil an der Entwicklung dieses Angebots: Schon seit einigen Jahren bildet sie andere Bäuerinnen, die in der Marketing-Kooperation „Roter Hahn“ zusammengeschlossen sind, in der Kunst der „Bauern-Wellness“ aus.

Dank kleiner Strukturen vor Ort mit maximal fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmern und einer entsprechend überschaubaren Urlauberzahl nehmen sich die Bäuerinnen vom „Roten Hahn“ gern Zeit: Um Hofbesuchern verschiedene Heilpflanzen zu erklären, gemeinsam mit ihnen Naturkosmetik herzustellen oder ein reichhaltiges Frühstück aus hofeigenen Erzeugnissen anzurichten.

Auf Südtirols Bauernhöfen wie dem Untersteinhof im oberen Pustertal können Gäste authentische Wellnessbehandlungen genießen, Foto: Heiner Sieger

Auf Südtirols Bauernhöfen wie dem Untersteinhof im oberen Pustertal können Gäste authentische Wellnessbehandlungen genießen, Foto: Heiner Sieger

Hohe Qualitätsanforderungen an die Höfe

Die Qualitätsanforderungen an die Wellness-Höfe sind sehr anspruchsvoll: Dazu gehören mindestens zwei verschiedene Vitalanwendungen mit persönlicher Betreuung der Bäuerin. Sie muss eine Zusatz-Ausbildung haben zum Schönheitspfleger, zur Kneipp-Gesundheitstrainerin, oder zu Gesundheitsvorsorge und Bäderwesen. „Wenn jemand diese Spezialisierung auf sich nimmt, ist das immer ein sehr persönliches Anliegen der Bäuerin, die dann auch ein sehr hohes Fachwissen hat“, erklärt Maria von Payr vom „Roten Hahn“.

Seit acht Jahren bietet die Weiterbildungsgenossenschaft des Südtiroler Bauernbundes eine Zusatzausbildung an, für Vitalangebote am Bauernhof. Die Ausbildung dauert fast ein Jahr. 160 Stunden nehmen die Bäuerinnen sich zusätzlich zur Arbeit auf dem Hof Zeit für die Fortbildung. Der Kurs ist trotzdem immer ausgebucht: Jährlich machen zwischen 15 und 20 Bäuerinnen den Abschluss. Nach Abschluss der Ausbildung dürfen die Bäuerinnen ihren Hof dann „Vital-Hof“ nennen. Geschickt kombinieren sie dort fortan Jahrhunderte altes Wissen mit den neuesten Erkenntnissen aus Gesundheits- und Schönheitslehre.

Schwerelos im Wollbad am Weidacherhof

Margit Rottensteiner behandelt ihre Gäste am Weidacherhof  mit wohltuender Wolle, Foto: Weidacherhof

Margit Rottensteiner behandelt ihre Gäste am Weidacherhof mit wohltuender Wolle, Foto: Weidacherhof

Bäuerin Margit Rottensteiner vom Weidacherhof am Ritten, dem Bozener Hausberg, etwa hat sogar insgesamt fünf Jahre lang zahlreiche Ausbildungen für Gesundheits-Anwendungen absolviert. Allein drei Jahre für die Ausbildung zur Fachfrau für Gesundheitsvorsorge und Bäderwesen in der Ultener Winterschule in Zusammenarbeit mit der Berufsschule, dazu Weiterbildungen in PanThai-Masage, Vital-Stone-Massage und Allgemeines Bäderwesen (Baneologie) sowie für Gesichtsbehandlungen mit selbst hergestellten Naturprodukten sowie zum Kräuteranbau und Kräuterverarbeitung. Überdies ist sie – wie ihr Mann auch – Nordic Walking Instruktor. Als Ausstattung bietet sie eine PhysioTherm-Gesundheitskabine, eine Biosauna, sowie einen Whirlpool – der auch für Kräuterbäder genutzt wird.

Alles andere hat sie sowieso am Hof: Die Schafwolle im Wollbad kommt von den eigenen Schafen, die Kräuter für den Saunaaufguss und die Stempelmassage wachsen im Kräutergarten und die Massage machen sie oder ihre Tochter Doris selber. Persönliche Betreuung und selbst gemachte Kuchen, Brote, Marmeladen, Joghurts, Tees und Säfte zum Frühstück machen den gesunden Hof-Urlaub komplett. Vom Frühstückraum und der –Terrasse verwöhnt zusätzlich der Blick auf die gezackten Massive der Dolomiten

„Auf die Naturschiene bin ich durch die Krankheit meines Bruders gekommen“, erzählt Margit. „Ich habe hautnah miterleben können, was Kräuter, Bäder und Homöopathie erreichen können, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt. Die Ärzte hatten meinen Bruder nach intensiven Antibiotika-Behandlungen und einem halbjährigen Klinikaufenthalt aufgegeben. Sein Körper war innerlich verbrannt, Überknochen hatten sich gebildet. Pater Haeberle in der Schweiz empfahl uns biologische Ernährung sowie Kräuterwickel und Bäder. Nach einem Jahr intensivster Betreuung war mein Bruder vollständig geheilt.“

Eine der Spezialitäten am Weidacherhof sind seitdem PanThai-Massagen mit Kräuterstempeln oder Fruchtstempeln (Limmete, Kokos, Nelken, Zimt, Weihrauch) – eine Mischung aus Massage und Ölung. Die Stempelkissen werden in 130 Grad heißem Öl erhitzt und dann mit ganz kurzen Berührungen auf die Haut gebracht, die im Gehirn Reflexe auslösen. „Das ist pure Regeneration für die Haut, vier Öle werden gemischt, die unterschiedlich tief in die Hautschichten eindringen. Oft stellt sich die wirkliche Entspannung erst nach ein oder zwei Tagen ein.“

Wohltuend ist auch die Honigmassage, eine Therapie zur Entgiftung, die von russischen Bauern eingesetzt wird. Sie öffnet die Energiebahnen und Chakren. „Da wir auch eigenen Honig auf dem Hof haben, passt das gut in unser Programm. Das funktioniert ein wenig wie Schröpfen und wirkt auch auf die Seele“, weiß die Wellness-Bäuerin.

Die grundlegende Philosophie haben alle Wellness-Bauernhöfe gemeinsam: Es wird alles verwendet, was die Natur gibt. Für das Baumwollbad etwa, eine weitere Besonderheit am Weidacherhof, wird nur die Wolle der hauseigenen Schwarznasen-Schafe verwendet. Das Wollbad, hat einen ähnlichen Effekt wie das Heubad, ist aber milder und angenehmer. Wer Herz- oder Venenbeschwerden hat oder körperlich nicht fit ist, der sollte kein Heubad machen. Das lanolinhaltige Wollbad ist sehr sanft, hat aber einen entschlackenden und entzündungshemmenden Effekt. Nach 40 Minuten erfolgt dann noch eine leichte Massage mit Wollmilch.

„Wir sind keine Kureinrichtung. Aber es gibt trotzdem vieles, was wir mit der Kraft aus der Natur erreichen können, um die Gesundheit zu unterstützen oder den Körper nach einer Krankheit wieder aufbauen. Gerade durch die Kräuterdüfte ist die Seele sehr stark einbezogen. Das wirkt entschlackend, beruhigend, anregend, entgiftend und Energie ausgleichend“, so Margits Erfahrung. „Wir haben gelernt, dass alles seinen Zeitpunkt hat, und dass man auf bestimmte Dinge warten muss. Im Frühjahr zum Beispiel wachsen nur entschlackende Kräuter. Also ist das Frühjahr die richtige Zeit zu entschlacken und dabei die Kraft der Kräuter zu nutzen.“

Maria Theresia Mairhofer vom Untersteiner Hof kennt mehr als 300 Kräuter, Foto: Heiner Sieger

Maria Theresia Mairhofer vom Untersteiner Hof kennt mehr als 300 Kräuter, Foto: Heiner Sieger

Eintauchen in die Welt der Kräuter am Untersteinhof

Niemand weiß das besser als Maria Theresia Mayrhofer. Es gibt nichts, was die Kräuter-Expertin nicht aus den Kräutern rund um ihren Hof herstellt. „Ich kenne 300 Kräuter, deren Anwendung und Wirkweisen“, erzählt sie am Tisch der hellen Zirbenholz-Wohnstube ihres Bio-Bauernhofes. Durch die zwei Geschosse hohe Fensterfront wandert ihr Blick direkt auf die im Frühjahr noch schneebedeckten Gipfel der Sextener Dolomiten. „Meine Großmutter hat sich sehr viel mit Kräutern befasst und der Faden ist nie abgerissen. Von ihr habe ich vor allem gelernt, dass man jemandem, dem etwas fehlt, zu bestimmten Pflanzen führt. Man gibt sein Wissen weiter, wenn es einem der andere Wert ist – aber dieser Mensch muss dann selber schauen, ob er es anwendet oder nicht. Ich verkaufe deshalb auch nichts.“ Aber sie gibt auf ihrem Hof, „gottseidank“ möchte man sagen, verschiedene Kurse mit Gesundheitsaspekt – über Kräuterverarbeitung, Naturkosmetik sowie Vollwert-Kochkurse und Kneippanwendungen.

Gesundes Leben der sehr focussiert wirkenden Bäuerin eine Herzensangelegenheit. Auf ihren Untersteinhof finden in der Regel Urlauber, die sich intensiv für das seit Generationen überlieferte Wissen rund um die gesundheitsfördernde Kraft der Natur interessieren und selber Körper, Geist und Seele bewusst pflegen. Für die Gäste ihrer vier Zimmer am Hof kocht sie abends am Holzherd Kräutergerichte. „Ich lasse mich jeden Tag neu inspirieren. Heute gibt es Brennessel-Girsch-Nocken abgeschmolzen und etwas mit Mohn. Girsch ist das Gichtkrau schlechthin, weil es die Harnsäure aus dem Körper transportiert. Dazu Knospen der Haselnuss, die fördern die Fettverbrennung sehr stark und Risotto mit Kiefern-Sprossen.“

Hinter dem Untersteiner Hof führt ein Kräuterweg durch die Wiese, Foto: Heiner SIeger

Hinter dem Untersteiner Hof führt ein Kräuterweg durch die Wiese, Foto: Heiner SIeger

Hinter dem Hof führt ein rund 200 Meter langer Kräuterpfad mitten durch die Almwiese. Schmetterlinge flattern umher und überall summt und brummt es vor geschäftiger Lebendigkeit. Hier hat Maria Mairhofer mehr als 50 Heilpflanzen angesetzt, die verstreut auch in den Wiesen wachsen, – ein lebendiger Lehrpfad für ihre Gäste und Kursteilnehmer. Liebevoll streicht sie mit der linken Hand über Gräser und Blüten. „Ein Fleck Wiese bietet so viel Gesundheit“, entfährt es ihr voll innerer Begeisterung. „Wenn man auf einen Hof geht, sind die Menschen in den Jahresablauf eingebunden und wissen, das ich etwa im Winter keine Anwendung mit Kamille machen darf, oder sie wissen, wie die Molke zubereitet und richtig eingesetzt wird.“

Wer mehr über die Heilkraft von Kräutern lernen möchte, dem empfiehlt Maria Mairhofer, sie oder er solle damit beginnen, sich speziell mit einer Pflanze auseinanderzusetzen, um näher an die Natur zu rücken. „Wie riecht sie, sie fühlt sie sich an? Man muss wahrnehmen, welche Botschaften die Pflanze einem gibt“, sagt sie – bückt sich und zupft vor sich heraus: Ehrenpreis, auch Männertreu genannt. „Das gehört zum Beispiel in jeden Tee. Nicht nur wegen der schönen blauen Blüten, sondern er wirkt auch schleimlösend und beruhigend auf das Nervensystem.“

Wer sich ernsthaft mit Kräutern befasst, müsse genau wissen, welche Wirkstoffe er herausziehen und wofür er diese verwenden möchte. Um wirklich mit einem Kraut einen gesundheitlichen Erfolg zu erzielen, sollte man immer mehrere Formen nutzen, empfiehlt die Südtiroler Kräuter-Expertin: Cremes und Salben, Öl und Tee. „Ich nutze immer die gesamte Pflanze – Wurzel, Stengel, Blätter und Blüte für unterschiedliche Anwendungen“, erklärt Maria Mairhofer dem staunenden Laien. „Ein Sirup aus Kräutern ist erfrischend und gut für den Magen. Oft mache auch eine Verreibung, um die Kräuter mit einem Mörser und Puderzucker haltbar zu machen. So kann man die Kräuter etwa als Fußbäder mit ein wenig Salz verwenden.“ Selbst kulinarisch ist noch mehr drin: „Man kann Kräuterblüten auch kandieren, mit Eiweiß bepinseln und mit Zucker bestreuen und dann trocknen lassen. Dann wird sie eine Glasblüte.“

Martin Busin bietet am Stegerhof gesunde Heubäder, Foto: Heiner Sieger

Martin Busin bietet am Stegerhof gesunde Heubäder, Foto: Heiner Sieger

Naturoase Stegerhof: Die gesunde Kraft von frischem Heu

Was Maria Mairhofer über Kräuter weiß, dass wissen Martin Bausin und seine Frau Waltraud über die Gesundheitswirkung von frischem Almheu. Mitten im Unesco-Naturerbe Dolomiten, in Truden am Trudener Horn, betreiben sie neben dem Stegerhof ihre „Naturoase“. Ein anspruchsvoller Name, der aber locker hält, was er verspricht. Schon beim Betreten taucht der Gast ein in typisch südtirolerisch-bäuerliches Flair: Der Aufenthaltsraum ist eine komplette alte Bauernstube, die Martin Bausin vom Weidacherhof in Klobenstein erstanden und fachgerecht hergerichtet hat. „Das ist wirklich etwas Besonderes“, schwärmt der handwerklich versierte Bauer. „Obwohl wir eine schöne Wohnung haben, kommen meine Frau, die Kinder und ich oft hierher zum Frühstücken, weil es so heimelig hier drinnen ist.“ Nahezu alles an der Naturoase hat Martin in Eigenarbeit gebaut, von den bäuerlichen Gesundheitseinrichtungen bis zu den urigen Betten aus Holzstämmen in den Ferienwohnungen.

„Wir wollen klein bleiben und etwas anderes anbieten, als die großen Hotels“, sagt Waltraud Bausin. „Neben dem Fachwissen in Bezug auf die Wirkung der Anwendungen ist uns die persönliche Betreuung der Gäste wichtig.“ Kein Wunder hat sie tagsüber den Kuhstall immer voller Kinder. Aber auch bei den Gesundheitsanwendungen ist sie ihren Gästen quasi hautnah.

Waltraud Busin hat ihren Stegerhof zur Naturoase ausgebaut, Foto: Stegerhof

Waltraud Busin hat ihren Stegerhof zur Naturoase ausgebaut, Foto: Stegerhof

Im Rahmen eines EU-Projekts zum Thema „Heu- und Wasserbäder“ in Südtirol, hat die Bäuerin eine dreijährige Ausbildung absolviert. „Das traditionelle Heubad lässt sich nur von Juli bis August anbieten, weil eine Wiese nur maximal zweimal mähen lässt. Bestimmte Kräuter gibt es ohnehin nur einmal im Jahr und wachsen nicht nach“, erzählt sie. Für das Heubad wird nur der erste Schnitt genommen. In Zusammenarbeit mit der spezialisierten Südtiroler Firma Haslauer haben die Bausins eine Möglichkeit gefunden, mit der man das Heubad das gesamte Jahr über anbieten kann. Das Heu ist zertifiziert und erfüllt bestimmte Qualitätsanforderungen, wie die Zusammensetzung aus mindestens 200 verschiedenen Kräutern, Gräsern und Legominosen. Es wird geschnitten auf über 1700 Meter, enthält daher keine Umweltgifte und wird von von Hand mit der Sense gemäht.

Das Heu kommt in Ballen, wird in Jutesäcke abgefüllt und in den Wannen auf eine Temperatur von mehr als 40 Grad vorbereitet. Dabei werden die ätherischen Öle freigesetzt und können vom Körper aufgenommen werden. Der Kur-Gast wird auf einem bis 43 Grad aufgewärmten, mit Wasser befüllten Wannenbett mit Heu eingewickelt und ins Wasser abgesenkt, Heu und Wasser sind durch eine spezielle Folie getrennt. Man liegt wie schwerelos 25 Minuten im Heu und über Haut und Nase nimmt man die ätherischen Öle auf.

„Das ist sehr hilfreich zur Gesundheitsvorsorge um rheumatischen Beschwerden vorzubeugen und wirkt wie eine Sauna mit zusätzlichen Kräutern. Man schwitzt Giftstoffe aus und nimmt gesunde Stoffe, die Kumarine vom Heu auf, die Heilwirkungen der vielen verschiedenen Pflanzen“, erzählt Bäuerin Waltraud. „Was mich immer besonders fasziniert, ist das natürliche Peeling für die Haut. Für mich gibt es kein anderes Peeling, das so effizient auf die gesamte Haut wirkt. Es bleibt ein Film auf der Haut, der die Haut richtig gut nährt. Eine Creme reibt man ja auch nicht gleich wieder weg.“ Man sollte hinterher zwei bis drei Stunden lang nicht duschen, sondern man reibt die Kräuter nur ab, dann folgt das Nachschwitzen auf einem Strohbett. Auf einem Liegestuhl würde man die Behandlung beenden, da dort das Nachschwitzen alsbald aufhört. „Wir sind immer präsent und lassen den Gast nicht alleine liegen, wir schauen immer wieder nach, wie der Einzelne reagiert“, sind Waltraud und ihr Mann auch noch nach der „Schwitzkur“ präsent.

Bäuerin Anna Jocher setzt am Frötscherhof auf die gesundeheitsfördende Kraft des Wassers, Foto: Heiner Sieger

Bäuerin Anna Jocher setzt am Frötscherhof auf die gesundeheitsfördende Kraft des Wassers, Foto: Heiner Sieger

Kneipp sei Dank: Naturteich und Wassergesundheit am Frötscherhof

Auf die gesunde Kraft des Wassers setzt Bäuerin Anna Jocher vom Frötscherhof bei St.Andrä im Eisacktal. Herrlich ruhig und idyllisch zwischen Gemüsegarten und Beerenobst liegt ihr biologischer Naturbadeteich. Libellen kreisen über den Seerosen, regenerierende Schilfe und Gräser säumen den kleinen See mit dem sehr weichen Wasser. „Ich hätte nie gedacht, dass die Gäste den so oft und gerne nutzen, wir haben von April bis Oktober eine viel längere Saison als ein Schwimmbad“, so Anna Jocher.

Seit zwei Jahren ist sie Kneipp-Gesundheitstrainerin. „Die Gäste wissen ind er Regel überhaupt nicht, was man alles mit Kneipp machen kann – vor allem die Abwehrkräfte stärken. Man wird bei regelmäßiger Anwendung viel fitter und gesünder“ erzählt sie. „Ich habe es selber ausprobiert. Es ist einfach, , auch ohne eigenen Badeteich. Jeder kann es selber machen, etwa mit den nackten Füßen eine Runde im Tau gehen. Der Tau transportiert viele Gesundheitsstoffe.“ Aber auch kalte Güsse, Knie- und Armgüsse, alles kleine Anwendungen mit großer Wirkung sind hilfreich. „Die Kneipp-Regel lautet: Je milder und kürzer die Anwendung, desto gesünder ist sie. Viele meinen, Kneippen sei ein Rosskur. Aber man kann auch lauwarm beginnen und dann die Temperatur allmählich herunterfahren“, erklärt die Wellness-Bäuerin.

Wer alternative Heilmethoden schätzt, kommt am Südtiroler Bauernhof nicht vorbei.

About Heiner Sieger

"Nur ned locker loassen" - diese Weisheit des Südtiroler Unikums Luis Trenker ist auch mein Motto, beruflich wie privat. Journalismus habe ich von der Pike auf gelernt, in fast allen Ressorts bei der Badischen Zeitung sowie der Schweizerischen Handelszeitung. Dann folgten die taffen Jahre bei Capital, Focus und Münchner Abendzeitung. Heute steht mein eigenes Büro, Redaktion München, mit Schwerpunkt Corporate Publishing im Vordergrund. Neben Fussball und Eishockey pflege ich ein ausgefallenen Hobby: Über Südtirol könnte ich eigentlich den ganzen Tag schreiben. Aber noch lieber bin ich dort, lerne neue Menschen kennen oder treffe alte Freunde und Bekannte.

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