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Beton statt Natur

Eingang des neuen Mueseum auf dem Kronplatz; Foto:MMMCorones

Eingang des neuen Mueseum auf dem Kronplatz; Foto:MMMCorones

Das sechste Messner Mountainmuseum am Kronplatz ist eröffnet. Schön ist es nicht. Dabei schrieb einst schon Paul Grohmann, Erstbesteiger vieler anspruchsvoller Dolomitengipfel: „Es besteht für mich kein Zweifel, dass die Rundschau vom Kronplatz eine der schönsten in den Dolomiten ist, und kein Gipfel, den ich kenne, vereinigt wieder die beiden Gegensätze Marmolata und Zillertaler Ferner in solcher Weise mit der schönsten Talaussicht, die man sich denken kann.“ Die einzigartige Lage des Kronplatz beim Südtiroler Pustertal war es, die Bergsteigerlegende Reinhold Messner dazu bewogen hat, sein – angeblich – letztes Museum, das „Corones“ hier zu eröffnen – eingebettet zwischen dem UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten und der Zillertaler Bergwelt in einem Schmelztiegel der deutsch-, italienisch- und ladinischsprachigen Kulturgruppen.

Die Ausblicke aus den überdimensionalen Luken des Museum sind in der Tat spektakulär. Aus mehreren großen Beton-Fenstern und -Balkonen können Besucher weite Blicke auf die umliegenden Berge genießen. Wie ein Ausguck für Außerirdische wirkt das Bauwerk von außen. Aber der Anblick des Museums mit seinen abgerundeten Betoneingängen und -Fenstern ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Man fragt sich automatisch, warum ausgerechnet der Naturbursche und „Grüne“ Messner die Natur hier derart verunstaltet.

Innenansicht des Messner Mountain Museums Corones; Foto: www.wisthaler.com

Innenansicht des Messner Mountain Museums Corones; Foto: www.wisthaler.com

Der Fels und das Leben der Bergsteiger sind die zentralen Themen des Messner Mountain Museums, veranschaulicht anhand von einzigartigen Sammlungen, Bildern und verschiedenen Gegenständen, die Reinhold Messner in seinem Leben als Grenzgänger gesammelt hat.

Hoher Nachholbedarf im Sommertourismus

Der Kronplatz gilt mit seiner umfangreichen Wintersport-Infrastruktur als Paradebeispiel für die Erschließung der Alpen für den Massentourismus. Doch im Sommer sahen die örtlichen Touristiker wohl hohen Nachholbedarf, als sie Herrn Messner den Zuschlag für seine „Selbstkrönung“ (Meraner Statdtanzeiger) erteilten. Ausgerechnet hier ließ Stararchitektin Zaha Hadid eine größtenteils unterirdische Betonstruktur in den Berg treiben, die ein Museum beherbergt, in dem es um den traditionellen Alpinismus geht. “Dorthin gehen, wo alle anderen nicht sind, und auf viele technische Hilfsmittel verzichten”, so definiert Reinhold Messner die Urform des Bergsteigens, die für ihn seit 250 Jahren die Königsdisziplin des Alpinismus darstellt. Während der zweijährigen Bauzeit hatten riesige Kräne die wunderschöne Landschaft am Kronplatz verunziert – alles andere als alpiner Purismus.

Beton im Fels: Querschnitt durch das Messner Montain Museum Corones; Foto: Kronplatz, Zaha Hadid

Beton im Fels: Querschnitt durch das Messner Montain Museum Corones; Foto: Kronplatz, Zaha Hadid

Kernstück des neuen Museums, das von örtlichen Liftbetreibern finanziert wird, die auf eine bessere Auslastung im Sommer hoffen, ist die laut Messner „weltgrößte Kletterhakensammlung von 1880 bis heute“. Jedes Exponat ist mit Datum und Ort der Benutzung gekennzeichnet, wodurch die Entwicklung der Absicherung auf Bergtouren erzählt wird. Ob es sich gelohnt hat, dafür den Kronplatz auf immer zu entstellen?

Die Architektur des tunnelartigen Hadid-Gebäudes an exponierter Stelle ist auf jeden Fall spektakulär. Die  “Financial Times” sprach so mehrdeutig wie vorsichtig von “einem der auffälligsten neuen Gebäude in den Alpen”.

Das MMM Corones auf dem Gipfel des Kronplatz, auf 2.275 m Meereshöhe, zwischen Olang, Bruneck und dem Gadertal gelegen, ist Abschluss des Bergmuseums-Projekts von Bergsteigerlegende Reinhold Messner. So hat er es jedenfalls gesagt. Die Dolomiten werden es ihm danken.

About Heiner Sieger

"Nur ned locker loassen" - diese Weisheit des Südtiroler Unikums Luis Trenker ist auch mein Motto, beruflich wie privat. Journalismus habe ich von der Pike auf gelernt, in fast allen Ressorts bei der Badischen Zeitung sowie der Schweizerischen Handelszeitung. Dann folgten die taffen Jahre bei Capital, Focus und Münchner Abendzeitung. Heute steht mein eigenes Büro, Redaktion München, mit Schwerpunkt Corporate Publishing im Vordergrund. Neben Fussball und Eishockey pflege ich ein ausgefallenen Hobby: Über Südtirol könnte ich eigentlich den ganzen Tag schreiben. Aber noch lieber bin ich dort, lerne neue Menschen kennen oder treffe alte Freunde und Bekannte.

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