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Bove und Scarpa im Museion

Hort hervorrragender Ausstellungen: das Museion in Bozen; Foto: Max Seehauser

Hort hervorrragender Ausstellungen: das Museion in Bozen; Foto: Max Seehauser

Wer auf den Bozner Talferwiesen in Richtung Drususbrücke unterwegs ist, stößt auf ein Gebäude, das Offenheit ausstrahlt, in der Bauweise und Fassadengestaltung genauso wie in der Platzierung vor schwungvollem Brückenzugang über die Talfer. Der Musen-Tempel der Bozner, Museion genannt, charakterisiert die südseitige Uferlandschaft und ist seit der Eröffnung im neuen Sitz 2008 zum Mekka für Kunstinteressierte geworden, denn er beherbergt das mittlerweile renommierte Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Neben seiner umfangreichen Sammlung verfügt es über lichtdurchflutete Räumlichkeiten, gestaltet nach Entwurf des Berliner Architektenbüros Krüger, Schuberth, Vandrei, Wke. Diese laden in die ständig wechselnden Ausstellungen ein, aber auch ins Uferkaffee und in die Passage im Parterre, mit eigenem Eventprogramm. www.museion.it

Vom 30. Oktober 2014 bis 1. März 2015 zeigt das Museion eine eigenwillige Werkschau; sie vereint Werke der US-amerikanischen Künstlerin Carol Bove (Genf, 1971) mit Ausstellungselementen und Skulpturen des italienischen Architekten und Designers Carlo Scarpa (Venedig, 1906-1978). Was verbindet die Arbeiten von Bove und Scarpa? Zum einen die sorgfältig ausgewählten Materialien und die Gestaltung von Parcours und Erzählsträngen, zum anderen die Liebe für das Wechselspiel zwischen einzelnen Objekten und ihrer räumlichen Positionierung bzw. deren plastischer Erscheinungsform. Noch nie wurden ihre Arbeiten gemeinsam gezeigt. Die Ausstellung „Carol Bove / Carlo Scarpa“ wird vom Henry Moore Institute in Leeds (GB) kuratiert. Die Umsetzung wurde durch die Zusammenarbeit zwischen Museion Bozen und dem Museum Dhondt-Dhaenens (Deurle, B) möglich. Eröffnet wird die Ausstellung am 30. Oktober um 19 Uhr.

Bozen hat eine besondere Beziehung zum venezianischen Stararchitekten Carlo Scarpa. 1967-1969 ist „seine“ Casa Tabarelli vor den Toren von Bozen in Girlan entstanden: fünf parallele Mauern, die wie Rebreihen in einem Weinberg oder einem Apfelhain stehen und das Tragwerk bilden, das von den großen seitlichen Glaswänden geschlossen ist: eine Hommage an die Geschichte des  Designs des 20. Jahrhunderts, von den ehemaligen Eigentümern Gianni e Laura Tabarelli nach Bozen gebracht.

Carlo Scarpa wurde stark von Frank Lloyd Wright beeinflusst und gehört zu den wichtigsten Vertretern der „organischen“ Architektur in Italien, denn er setzte vor allem durch das Zusammenspiel von Neuem und Altem seinen eigenen Akzent und damit Maßstäbe, die auch in Deutschland von Bedeutung wurden. Sein Studium schoss er an der Kunstakademie Venedig ab, später war er dort als Professor tätig. Während des Faschismus isolierte er sich in den Werkstätten der Insel Murano vor Venedig, wo er vorwiegend die Glaskunst kennenlernte und Gefallen an Objektdesign fand. Erst ab 1950 begann er mit der Verwirklichung größerer Bauaufgaben und ließ sich dabei verstärkt von der Natur inspirieren. 1966 nahm er an der Ausstellung „Museumsarchitektur“ des Museum of Modern Art in New York teil und blieb länger in Amerika, bevor er 1972 Direktor der Architekturfakultät in Venedig wurde. www.museion.it

About Heiner Sieger

"Nur ned locker loassen" - diese Weisheit des Südtiroler Unikums Luis Trenker ist auch mein Motto, beruflich wie privat. Journalismus habe ich von der Pike auf gelernt, in fast allen Ressorts bei der Badischen Zeitung sowie der Schweizerischen Handelszeitung. Dann folgten die taffen Jahre bei Capital, Focus und Münchner Abendzeitung. Heute steht mein eigenes Büro, Redaktion München, mit Schwerpunkt Corporate Publishing im Vordergrund. Neben Fussball und Eishockey pflege ich ein ausgefallenen Hobby: Über Südtirol könnte ich eigentlich den ganzen Tag schreiben. Aber noch lieber bin ich dort, lerne neue Menschen kennen oder treffe alte Freunde und Bekannte.

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