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Buchtipp: „Tierser Berggeschichten rund um Rosengarten und Schlern“

Im Herzen der Dolomiten, zwischen sanften Hängen und grünen Wiesen, zwischen weiten, schattigen Wäldern und üppigen Weiden, liegt auf 1028 Metern Höhe das kleine, weitgehend ursprünglich gebliebene Bergdorf Tiers. „Tierser Berggeschichten rund um Rosengarten und Schlern“, ein Buch von Katja Solderer.

Von dort aus ist der mächtige Gebirgszug des Rosengartens in seiner ganzen Pracht zu sehen, hat man die grazilen Vajolettürme im Blickfeld und eines der Wahrzeichen Südtirols im Rücken, den kolossalen Schlern. Mit all diesen Sehenswürdigkeiten und ihrer Geschichte sowie ihren Geschichten hat sich Katja Solderer (Jahrgang 1988) aus Bozen auseinandergesetzt und das Buch „Tierser Berggeschichten rund um Rosengarten und Schlern“ geschrieben, ein überaus lesenswertes Werk von den Anfängen des Bergsteigens zwischen Rosengarten und Schlern bis heute.

Tierser Berggeschichten_Cover.inddDer Ortschaft Tiers am Rosengarten kommt nämlich bei der Erschließung der Südtiroler Bergwelt eine weitreichende Bedeutung zu – denn mit der „Öffnung der Berge“ für die im Tal wohnende Bevölkerung durch den Bau von Wegen und Straßen hinauf ins Gebirge hielt der Tourismus Einzug. Viele Bergbegeisterte und solche, die sich dafür hielten, wählten Tiers als Ausgangspunkt, um den Rosengarten und die Vajolettürme zu erobern. Katja Solderer hat jede Menge an Begebenheiten gesammelt, die sie in ihrem Lesebuch darstellt.

Aufwendig recherchiert, schildert die Autorin die spannende Zeit vom Beginn des Alpinismus’, also die Zeit um 1850, bis hinein ins 20. Jahrhundert. Zum Beispiel, wie schwer und mitunter lebensbedrohlich es war, die Bergwelt zu erkunden, und welchen Strapazen sich Bergsteiger aussetzten. Oder über den – oft fahrlässigen – Ehrgeiz, als erster Mensch auf einem bis dato noch unbezwungenen Gipfel zu stehen, oder als erster Mensch eine Route durch den Fels zu nehmen, die so noch nicht geklettert worden war. Berichtet wird über wohlhabende Touristen und Flachlandtiroler, die sich der Bergwelt verschrieben hatten, und dafür sorgten, dass sich Einheimische als Bergführer verdingten und so ihrem kärglichen Einkommen ein paar Groschen hinzuverdienen konnten.

Katja Solderer bringt dem Leser einstige Berghelden wie Johann Santner, Franz Schroffenegger, Franz Wenter, Giorgio Bernard, Hermann Delago, Georg Winkler, Tita Piaz, Heini Holzer oder Max und Georg Aichner – um nur einige Namen zu nennen – näher. Aufzeichnungen und Zitate über ihre Taten und so manche Anekdote der einstigen Helden sind kostbare Schätze für die heutige Zeit und natürlich auch für spätere Generationen. Solderer hat dies in bemerkenswerter Weise zusammengestellt und niedergeschrieben.

Es war eine spannende und dramatische Zeit damals, aber Bergsteigen war „in“. So manches Kapitel liest sich wie ein Kriminalroman, etwa die Passage der „24 Bergtoten in Tiers“. Auch wie schwierig die Zeiten damals für die „normalen“ Menschen vor Ort waren, welche Hindernisse sie umschiffen mussten, nur um überleben zu können, heutzutage undenkbar. All dies, und noch viel mehr, hat die Verfasserin höchst amüsant zu Papier gebracht. Kurzum: eine packende und lesenswerte Lektüre.

Katja Solderer: „Tierser Berggeschichten rund um Rosengarten und Schlern“, herausgegeben vom Tourismusverein Tiers am Rosengarten, erschienen im Verlag Raetia, Bozen, 2012, fester Einband, 176 Seiten, 70 Fotos, Abbildungen und Zeichnungen, ISBN 978-8-7283-412-1, 19 Euro.

About Dieter Warnick

Immer wenn er davon spricht, dass Südtirol seine zweite Heimat ist, dann sagt er das nicht nur so zum Spaß. Denn Dieter Warnick wurde schon als Kleinkind die Affinität zu dem bezaubernden Landstrich südlich des Brenners quasi mit in die Wiege gelegt. Sein Vater war auch vernarrt in die Dolomiten und seine Menschen dort. Und so ging es mindestens einmal im Jahr nach Südtirol. Mit der ganzen Familie. Im Laufe der Jahre wurden die Aufenthalte immer häufiger, das Wissen über die Örtlichkeiten immer spezieller. Dieter Warnick arbeitete 30 Jahre lang bei einer großen bayerischen Tageszeitung, ehe er sich 2008 neu orientierte, seinen Job als Sportredakteur an den Nagel hing und sich auf den Reise-Journalismus spezialisierte. Südtiroler Geschichten bleiben sein vorrangiges Genre, aber auch andere Länder haben es ihm angetan.

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