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Kulturhistorische Panoramawanderung zu kostbaren Sehenswürdigkeiten

Herbert Pichler ist ein gebildeter Mann. Seine Wortwahl ist pfiffig, seine Ansichten kritisch. Er kennt sich aus. Vor allem in Südtirol und in seinem Heimatort Deutschnofen. Als eloquenter Wanderführer ist er bekannt wie ein „bunter Hund“ und die Gäste hängen an seinen Lippen. Eine kulturhistorische Panoramawanderung.

Deutschnofen ist eine reizende Gemende mit etwa 4000 Einwohnern; von Bozen aus sind es nur 20 Autominuten. - Foto: Eggental Tourismus

Deutschnofen ist eine reizende Gemeinde mit etwa 4000 Einwohnern; von Bozen aus sind es nur 20 Autominuten. – Foto: Eggental Tourismus

Gestartet wird jeden Mittwoch vor dem Tourismusbüro, in dem auch die Anmeldungen entgegengenommen werden. Die Teilnahme ist kostenlos, die unbeschwerliche Wanderung dauert – inklusive Einkehr – etwa sechs Stunden.

Schloss Thurn

Direkt gegenüber des Tourismusbüros thront Schloss Thurn, das als Rathaus dient und wo die Gemeindeverwaltung ihre Büros hat, und das Winklhaus. Im Schloss Thurn ist aber auch ein Museum untergebracht, das einen kleinen Einblick in die Vergangenheit bietet. Das Gebäude ähnelt einem mächtigen Ansitz und ist neben der Pfarrkirche das dominante Bauwerk der 4000-Seelen-Gemeinde.

Die Wandgemälde von St. Helena sind kostbare Zeugnisse der Hochgotik. - Foto: Herbert Pichler

Die Wandgemälde von St. Helena sind kostbare Zeugnisse der Hochgotik. – Foto: Herbert Pichler

Ursprünglich war Schloss Thurn ein Wohnturm (mundartlich: Turn), dann zogen verschiedene Adelsfamilien ein, später, im 16. Jahrhundert, wurde es als Gerichtssitz genutzt. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Gebäude mit seiner wuchtigen Mauerstärke von mehr als 1,5 Metern völlig umgebaut und erhielt seine heutigen Ausmaße. 1911 schließlich kaufte die Gemeinde den mächtigen Ansitz. 1985 wurde das Haus letztmals renoviert, nachdem es vor dem Abriss gerettet wurde. Einige Deutschnofener hatten sich stark für diese letzte Lösung eingesetzt, doch die Vernunft setzte sich – Gott sei Dank mag man sagen – letztlich durch.

Winklhaus

Die Pfarrkirche zu den Heiligen Ulrich und Wolfgang wurde vor über 500 Jahren errichtet. - Foto: Helene Thaler

Die Pfarrkirche zu den Heiligen Ulrich und Wolfgang wurde vor über 500 Jahren errichtet. – Foto: Helene Thaler

Direkt daneben liegend weckt das Winklhaus unser Interesse. Dieses und auch andere Gebäude lassen den Schluss zu, dass Deutschnofen schon vor langer langer Zeit ein bedeutender Ort gewesen sein muss. Erstmals 1331 urkundlich erwähnt, prägt das Haus durch eine bemerkenswerte Bauweise das Dorfbild. Bozner Bürger nutzten es früher als Unterkunft während der Sommerfrische, später beherbergte es einen Metzger, einen Schmied und einen Schneider. Heute bewohnt eine Erbengemeinschaft das Haus, die sich aber, so versichert Herbert Pichler, uneins ist über die weitere und zukünftige Nutzung.

Im Kirchenraum von St. Helena deuten zahlreiche gut erhaltene Fresken und vier großflächige Bilder auf das Evangelium hin. - Foto: Herbert Pichler

Im Kirchenraum von St. Helena deuten zahlreiche gut erhaltene Fresken und vier großflächige Bilder auf das Evangelium hin. – Foto: Herbert Pichler

Im Zentrum von Deutschnofen ragt die Pfarrkirche zu den Heiligen Ulrich und Wolfgang empor. Sie wurde vor über 500 Jahren errichtet und zeugt vom Kunstsinn der damaligen Einwohner. Grundsteinlegung war im Jahr 1455, vollendet und eingeweiht wurde sie erst 1498. 1793 schlug ein Blitz in das Gotteshaus ein und zerstörte die Helmpyramide des Glockenturms. Daraufhin erhielt der Turm den achteckigen Tambour mit Haube und somit sein heutiges Aussehen.

St. Helena

Das Winklhaus wurde erstmals urkundlich im Jahr 1331 erwähnt. - Foto: Helene Thaler

Das Winklhaus wurde erstmals urkundlich im Jahr 1331 erwähnt. – Foto: Helene Thaler

Eine Kostbarkeit ist die Kirche zur heiligen Helena. Dieses bezaubernd schön gelegene Hügelkirchlein kann auf leichten Wanderwegen im Sommer wie im Winter erreicht werden. Zu jeder Jahreszeit ist der Spaziergang zu diesem Kleinod, das auf einer vorgeschichtlichen Kultstätte errichtet wurde und das einen der bedeutendsten Freskenschätze Südtirols hütet, ein Erlebnis der besonderen Art. Eindrucksvoll ist es, wenn sich der Wanderer auf dem Waldweg dem St.-Helena-Kirchlein nähert und den aufragenden Kirchturm und die bejahrten Gebäude des Kreuzhofes vor der Bergkulisse des Rosengartens erblickt. Noch mehr beeindruckt dann vom Kirchhügel aus der weite Blick über die Eggentaler Wälder hin zum Schlern, Rosengarten, Latemar, Zanggen, Schwarzhorn und Weißhorn.

About Dieter Warnick

Immer wenn er davon spricht, dass Südtirol seine zweite Heimat ist, dann sagt er das nicht nur so zum Spaß. Denn Dieter Warnick wurde schon als Kleinkind die Affinität zu dem bezaubernden Landstrich südlich des Brenners quasi mit in die Wiege gelegt. Sein Vater war auch vernarrt in die Dolomiten und seine Menschen dort. Und so ging es mindestens einmal im Jahr nach Südtirol. Mit der ganzen Familie. Im Laufe der Jahre wurden die Aufenthalte immer häufiger, das Wissen über die Örtlichkeiten immer spezieller. Dieter Warnick arbeitete 30 Jahre lang bei einer großen bayerischen Tageszeitung, ehe er sich 2008 neu orientierte, seinen Job als Sportredakteur an den Nagel hing und sich auf den Reise-Journalismus spezialisierte. Südtiroler Geschichten bleiben sein vorrangiges Genre, aber auch andere Länder haben es ihm angetan.

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