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Bozen holt seinen “Virgl” im März aus dem Dornröschenschlaf

BesucherInnen des Virgl dürfen sich auf ungewöhnliche Einblicke freuen; Foto: Tourismusamt Bozen

BesucherInnen des Virgl dürfen sich auf ungewöhnliche Einblicke freuen; Foto: Tourismusamt Bozen

Einmal im Jahr öffnen die Kunst- und Naturdenkmalschützer sonst verschlossene Bauten und Gärten. In Bozen wird 2013 der kleine Stadtberg Virgl unter die Lupe genommen, botanisch und kunsthistorisch.

Das Wochenende vom 23.-24. März 2013 steht in ganz Italien im Zeichen der Wertschätzung von Raritäten und Schätzen – eine seltene Gelegenheit des Besuchs von Schauplätzen, die sich ansonsten vor den Blicken Neugieriger verschließen bzw. erst gar nicht zugänglich sind. Mit dieser Aktion richtet der FAI (Fondo Ambiente Italiano) immer wieder die Aufmerksamkeit auf schützenswertes Kultur- und Naturerbe.

Der Bozner FAI-Ableger will in der diesjährigen Ausgabe, übrigens bereits die 21., den Virgl richtig ins Licht rücken: den felsigen Hügel am östlichen Rand der Stadt, mit seinen zwei wenig besuchten Kirchen und seiner außerordentlichen Flora und Fauna.

Ein heiliger Ort mit wundersamem Wasser

Simona Kettmeir, der Präsidentin des FAI Bozen, erklärt, warum heuer der Virgl in den Mittelpunkt gestellt wird. “Wir merken zunehmend, dass Kultur nicht ohne Landschaft einhergeht und dass diese Landschaft eingebettet ist in eine Umwelt, die ebenso schützenswert ist wie die menschengemachten Denkmäler, die darin errichtet wurden. Der „Virgl“ ist ein Felsvorsprung an jener Talseite, die Bozens Gäste, aber auch die Bewohner der Stadt zu Unrecht vernachlässigen. Die FAI-Tage 2013 in Bozen sollen unter dem Titel „Virgl: Glaube, Geschichte, Natur“ die Geschichte des Virgls nachzeichnen, von den ersten Menschensiedlungen bis zum Mittelalter. Es gibt dazu eine Menge interessanter archäologischer Funde.”

Die Archäologen haben laut Kettmeir außerdem Beweise dafür gefunden, dass der Virgl schon in vorchristlicher Zeit ein „heiliger Ort“ war, an dem Rituale gefeiert wurden. Die Hochblüte der Frömmigkeit war aber sicherlich das Mittelalter, als man hier zwei bemerkenswerte Kirchen erbauen ließ. Es gibt auch Hinweise dafür, dass es am Virgl eine Quelle gab, deren Wasser man Heilungen zuschrieb. Im Mittelalter sollen Gläubige dieses wundersame Wasser sehr geschätzt haben (die Anekdote erzählt von einem Brunnen neben der heutigen St. Gertraud-Kirche in Haslach). Von dieser Angelegenheit überliefert sind nur Bruchstücke, viele dieser Geschichten sind aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Ein Grund mehr genauer hinzuschauen.

Und dann ist da noch die Natur, am Virgl völlig unangetastet, weil die Gegend wenig erschlossen und urbanisiert ist. Im Gegensatz zu Jenesien, Ritten und Kohlern befindet sich der Virgl im Dornröschenschlaf, wurde auch nicht mit modischen mediterranen Pflanzen wie Palmen, Jasmin und Bouganville bepflanzt. Das ist gut so, denn  so halten sich hier Pflanzensorten wie Erdbeerbaum, Buche, Eiche und eine Reihe von autochthonen Büschen. Gar nicht zu reden von den Rastplätzen der Zugvögel, die diesen einsamen Ort zu lieben scheinen.

Was bietet das Wochenende vom 22.-24. März am Virgl?

Die BesucherInnen dürfen sich auf ungewöhnliche Einblicke freuen, auf Besichtigungen der St. Vigil Kapelle am Virgl, mit bemerkenswerten Fresken aus dem 14. Jahrhundert, und der nahen barocken Grabeskirche am Kalvarienberg. Begleitet werden Besucher jeweils von Historikern und Kunsthistorikern. Außerdem gibt es botanische Führungen entlang der Virgl-Promenade, mit Experten der Forstbehörde und des Naturmuseums. Die Führungen für Interessierte finden am Samstagnachmittag, 23. März von 14 bis 18 Uhr statt und den ganzen Sonntag, 24. über von 10 bis 18 Uhr.

Info und Vormerkung: Verkehrsamt der Stadt Bozen, Tel.: +39 0471 307000, E-Mail: info@bolzano-bozen.it

About Heiner Sieger

"Nur ned locker loassen" - diese Weisheit des Südtiroler Unikums Luis Trenker ist auch mein Motto, beruflich wie privat. Journalismus habe ich von der Pike auf gelernt, in fast allen Ressorts bei der Badischen Zeitung sowie der Schweizerischen Handelszeitung. Dann folgten die taffen Jahre bei Capital, Focus und Münchner Abendzeitung. Heute steht mein eigenes Büro, Redaktion München, mit Schwerpunkt Corporate Publishing im Vordergrund. Neben Fussball und Eishockey pflege ich ein ausgefallenen Hobby: Über Südtirol könnte ich eigentlich den ganzen Tag schreiben. Aber noch lieber bin ich dort, lerne neue Menschen kennen oder treffe alte Freunde und Bekannte.

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