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Tiers: Oachner Höfeweg und deftige Genüsse

Das kleine Bergdorf Tiers (1028 Meter hoch gelegen) ist ein Ort, an dem das Wort Rummel Fehl am Platz ist. Ruhe und Beschaulichkeit sind seine Trümpfe, die Landschaft – wie von Geisterhand hingepinselt – ist ein Leckerbissen, und die Wanderwege, ob leicht, mittel oder schwer, einfach herrlich zu gehen.

Ausgangpunkt der herrlichen, unbeschwerlichen Wanderung ist der Kirchlein St. Kathrein bei Völser Aicha. Foto: Helmuth Rier

Ausgangpunkt der herrlichen, unbeschwerlichen Wanderung ist der Kirchlein St. Kathrein bei Völser Aicha. Foto: Helmuth Rier

Von Tiers aus hat man einen fantastischen Blick auf den Rosengarten, der in voller Größe zu bestaunen ist. Der Latemar ragt mächtig seine Zacken in den Himmel, die Atem beraubende Kulisse der Dolomiten inmitten des Naturparks Schlern-Rosengarten verzaubert die Sinne. Zu der sonnigen Gemeinde am Südhang des Tschafon gehören die Ortsteile St. Zyprian (1071 Meter) und Weißlahnbad (1200). Nicht jedoch, wie viele Urlauber annehmen, die Ortschaft Völser Aicha (860). Diese liegt zwar geografisch gesehen viel näher an Tiers als an Völs am Schlern, gehört aber zum Gemeindegebiet derjenigen Ortschaft, die immer in einem Atemzug mit dem gewaltigen Bergmassiv genannt wird.

Eine leichte Tour

Zwischen Tiers und Völser Aicha, in St. Kathrein, einem Weiler mit nur drei Häusern und einer Kirche, beginnt eine leichte Tour, auf der sich Südtirol von seiner schönsten und abwechslungsreichsten Seite zeigt – der Oachner Höfeweg. Oacha sagen die Einheimischen zu Völser Aicha.

Der Weg ist leicht zu beschreiten und führt durch eine abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft am südlichen Ausläufer des Völser Mittelgebirges. Die Weglänge beträgt rund zwölf Kilometer, der Höhenunterschied ist mit etwa 380 Metern nicht der Rede Wert und daher auch vor allem für Familien mit Kindern bestens geeignet.

Eine abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft. Foto: DW

Den Wanderer erwartet eine abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft. Foto: Dieter Warnick

Einige Abschnitte sind allerdings nicht für Kinderwagen geeignet. Die Wanderung endet bei Schloss Prösels, der mächtigen Burg in der Nähe von Völs, und ist mit Pausen in vier bis fünf Stunden leicht zu machen. Natürlich kann man auch in Prösels starten und in Völser Aicha aufhören. Wer schwächelt, kann den Weg jederzeit verlassen und den Bus zurück zum jeweiligen Ausgangpunkt nehmen. Die Busverbindungen sind im Übrigen hervorragend. Auch deshalb, weil Tiers seit 2006 Mitglied der “Alpine Pearls” ist, einer Vereinigung von Urlaubsorten, die sich für klimafreundlichen Tourismus einsetzt. So kann auch mal das Auto Urlaub machen.

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In St. Kathrein – gegenüber dem Michaeler Hof – liegt die Kirche St. Katherina aus dem Jahr 1293. Erhöhte Aufmerksamkeit verdienen die 14 farbenprächtigen Fresken aus dem Jahr 1420. Sie erzählen die Legende der christlichen Königstochter Katharina von Alexandria. Der Weg führt dann durch einen schattigen Eichenwald zum Fronthof und zum Fingerhof. Der Fronthof, erstmals 1379 urkundlich erwähnt, ist das größte, aus gotischer Zeit erhaltene und einheitlich aus Steinquadern am steilen Hang errichtete Bauernhaus Südtirols. Die Fassade hat die beachtliche Breite von 22 Metern. Ein ebenso grandioses Bild gibt der Fingerhof ab. Ein tief herabhängendes Vordach schützt den Rundbogeneingang mit einem Fresko aus dem 13. Jahrhundert.

Wegkreuze laden zu einer kurzen Besinnungspause ein. Foto: Helmuth Rier

Wegkreuze laden zu einer kurzen Besinnungspause ein. Foto: Helmuth Rier

Vorbei an Wegkreuzen und kleinen Höfekapellen wandern wir gemütlich durch Weinberge – Zweigelt und Sylvaner werden bevorzugt angebaut -, Beerenanpflanzungen (Brombeere, Himbeere, Heidelbeere) und Obstplantagen. Zwetschgen-, Äpfel- und Kirschbäume säumen den Weg, sogar vereinzelte Pfirsichbäume erkennen wir. Kastanien- und Nussbäume dürfen da natürlich auch nicht fehlen.

 Der Breibach rauscht und gurgelt

Linkerhand sehen wir den kleinen Ort Steinegg mit seinen Erdpyramiden, vor uns im Tal liegt – unter einer leichten Dunstglocke – die Landeshauptstadt Bozen, tief unten, in der Tierser Schlucht, rauscht und gurgelt der Breibach. Zu unserer Rechten schweift der Blick auf den Höhenzug des Ritten mit der sehenswerten Ortschaft Unterinn.

About Dieter Warnick

Immer wenn er davon spricht, dass Südtirol seine zweite Heimat ist, dann sagt er das nicht nur so zum Spaß. Denn Dieter Warnick wurde schon als Kleinkind die Affinität zu dem bezaubernden Landstrich südlich des Brenners quasi mit in die Wiege gelegt. Sein Vater war auch vernarrt in die Dolomiten und seine Menschen dort. Und so ging es mindestens einmal im Jahr nach Südtirol. Mit der ganzen Familie. Im Laufe der Jahre wurden die Aufenthalte immer häufiger, das Wissen über die Örtlichkeiten immer spezieller. Dieter Warnick arbeitete 30 Jahre lang bei einer großen bayerischen Tageszeitung, ehe er sich 2008 neu orientierte, seinen Job als Sportredakteur an den Nagel hing und sich auf den Reise-Journalismus spezialisierte. Südtiroler Geschichten bleiben sein vorrangiges Genre, aber auch andere Länder haben es ihm angetan.

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