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Schlern: Von Hexen, Heubädern und Reiterspielen

Der Schlern ist nur 2564 Meter hoch – doch trotz seiner geringen Höhe gilt der stockartige Westpfeiler der Dolomiten auf Grund seiner charakteristischen Form und seiner steilen Felsenwand als Wahrzeichen Südtirols. Der mächtigen Felsformation liegen die Dörfer Völs, Seis und Kastelruth zu Füßen.

Der Schlern von der Seiser Alm aus. Foto: Seiser Alm Marketing/Laurin Moser

Der Schlern von der Seiser Alm aus. Foto: Seiser Alm Marketing/Laurin Moser

Der Burgstall (2515 Meter) bildet den Nordrand des Berges, seine höchste Erhebung ist der Monte Petz (hier steht auch das Gipfelkreuz), der den Gabels Mull (2390 Meter) und den Jungschlern (2280 Meter) überragt. Sein unverwechselbares Aussehen bekommt der Schlern durch die markant in die Höhe ragenden, gewaltigen Spitzen, die nach ihren Erstbesteigern benannt sind.

Er galt als unbezwingbar

Die Santnerspitze hieß bis 1880 Großer Schlernzacken, ehe Johann Santner (21.4.1841 bis 21.5.1912), ein gebürtiger Osttiroler, den Gipfel erklomm. Bis zu jenem Tag der Erstbesteigung galt der Große Schlernzacken bei den Bewohnern des Schlerngebiets als unbezwingbar. Doch Santner strafte die einheimische Bevölkerung Lügen und ließ sich von der Spitze des Berges, beziehungsweise “des Felsenstückes von kolossaler Dimension“, wie er es selbst nannte, nicht weiter beeindrucken. Vier Jahre später wurde dann die zweite, damals noch unbezwungene Spitze, in Angriff genommen. Zusammen mit G. Battista Bernhard stand der Augsburger Alpinist Gustav Euringer (15.6.1854 bis 6.5.1922) als erster auf dem Gipfel.

Um zu erfahren, woher denn der Name Schlern kommt, muss man in die Zeit von Oswald von Wolkenstein (um 1377 bis 2.8.1445) zurück gehen, in der der Name Salern auftaucht.

Die Santnerspitze (rechts) ist benannt nach dem Osttiroler Bergsteiger Johann Santner. Foto: Tourismusverein Tiers

Die Santnerspitze (rechts) ist benannt nach dem Osttiroler Bergsteiger Johann Santner. Foto: Tourismusverein Tiers

Die dürfte die älteste überlieferte Form des Namens sein. Oswald von Wolkenstein war nicht nur Sänger, Dichter und Komponist, er war auch ein Politiker von überregionaler Bedeutung, und stand als Diplomat in Diensten des deutschen Kaisers Sigismund I. Es gibt bis heute keine befriedigende Deutung des Namens, doch das ladinische Wort “Salara” (Wasserlauf) gilt als am wahrscheinlichsten. Es kann sein, dass damit auf die gefürchteten, vom Schlern niederstürzenden Wildbäche hingewiesen wurde.

Magische Kräfte

Seit Urzeiten schon umhüllen den Schlern magische Kräfte, verbunden mit den abstrusesten Hexengeschichten. Laut Volksmund trafen sich dort Hexen aus nah und fern. Von allen Seiten, so hieß es, ritten sie auf den Schlern, um dort ihr Unwesen zu treiben, und mit ihrem Herrn und Meister, dem Teufel, den Hexensabbath zu feiern. Es wurde gezecht und getrunken, getanzt und Unfug getrieben. Der gewaltige Schlernrücken war also einer der beliebtesten Tummelplätze für die Hexen, das Schlernplateau galt als ihr Hauptversammlungsplatz schlechthin.

Hexe Martha verzaubert die Kinder. Foto: Seiser Alm Marketing

Hexe Martha verzaubert die Kinder. Foto: Seiser Alm Marketing

Auf dem Schlern befindet sich in einer Höhe von 2457 Metern das Schlernhaus. Dort gibt es 120 Schlafplätze, also die Möglichkeit, auf dem Schlern zu übernachten, und einen Sonnenauf- und/oder Sonnenuntergang in den Dolomiten live mitzuerleben. Auf der gegenüber liegenden Seite des Schlerns hat man einen herrlichen Blick zu den Vajolet-Türmen und zum Rosengarten.

 

About Dieter Warnick

Immer wenn er davon spricht, dass Südtirol seine zweite Heimat ist, dann sagt er das nicht nur so zum Spaß. Denn Dieter Warnick wurde schon als Kleinkind die Affinität zu dem bezaubernden Landstrich südlich des Brenners quasi mit in die Wiege gelegt. Sein Vater war auch vernarrt in die Dolomiten und seine Menschen dort. Und so ging es mindestens einmal im Jahr nach Südtirol. Mit der ganzen Familie. Im Laufe der Jahre wurden die Aufenthalte immer häufiger, das Wissen über die Örtlichkeiten immer spezieller. Dieter Warnick arbeitete 30 Jahre lang bei einer großen bayerischen Tageszeitung, ehe er sich 2008 neu orientierte, seinen Job als Sportredakteur an den Nagel hing und sich auf den Reise-Journalismus spezialisierte. Südtiroler Geschichten bleiben sein vorrangiges Genre, aber auch andere Länder haben es ihm angetan.

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